Auf meinen Streifzügen durch die Musikwelt bin ich kürzlich auf dieses Lied hier gestoßen:
Ich schätze es ja, wenn es in Songs nicht immer nur monothematisch um die romantische Liebe in all ihren Facetten geht. Nichts gegen die Liebe – ganz im Gegenteil! Aber das Leben besteht ja eben doch nicht nur als Liebesbeziehungen – und wenn anderes in Songtexten auch aufgegriffen wird, dann spricht mich das oft in besonderer Weise an.
In diesem Lied »So an dich gewöhnt« besingt Pohlmann das Verhältnis zu seinen Eltern. Dabei fasst er das Phänomen in Worte, dass gefühlt die Eltern ja immer da sind und man einander deswegen gar nicht so viel Beachtung schenkt. Andererseits rennt die Zeit dahin – und ihm wird deutlich, dass er etwas verpasst, wenn er vor Lauter Gewöhnung an den Zustand diese Menschen, die ihm wichtig sind, gar nicht mehr wahrnimmt. So heißt es an einer Stelle: »wenn ich nicht aufpass‘ / war ich wieder einmal zu lang ungestört / […] wenn ich nicht aufpass‘ / hab ich wieder einmal mehr nicht zugehört«.
Was selbstverständlich ist oder zu sein scheint, verliert leicht seinen Wert. Dann geht mir das Gegenüber aber auch verloren – mit dem, was es zu sagen hat, auch mit dem, was mich heilsam stört und mein eigenes Kreisen unterbricht. Das Lied endet mit einer Selbsteinladung bei den Eltern: »Ich sag‘ einfach mal: / ›Mama, mach den Kaffee heiß‹ / ich komm jetzt vorbei«.
Eine solche Trägheit und Gewöhnung kann es auch im Glauben geben. Ich weiß: Gott ist ja da. Er liebt mich. Aber dieses Wissen wird mir leicht allzu normal. Und ich lasse mich nicht mehr stören, nicht mehr irritieren und höre nicht mehr zu. Wenn ich das bei mir wahrnehme, ist es Zeit umzukehren, mal wieder neu Kontakt aufzunehmen, mir Zeit zu nehmen und mich hinzusetzen und wieder neu zu hören, was Gott zu sagen hat, damit mein Glaube nicht träge wird, sondern von ihm neu gestärkt wird.
»Wir begehren aber, dass jeder von euch denselben Eifer beweise, die Hoffnung festzuhalten bis ans Ende, damit ihr nicht träge werdet, sondern die nachahmt, die durch Glauben und Geduld die Verheißungen ererben.« (Hebräer 6,11f., Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).
Christoph Barnbrock
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