In sich selbst vergnügt

Im Singen bekannter Choräle stoße ich immer wieder auf Formulierungen, an denen ich hängen bleibe. So ging es mir kürzlich in einem Gottesdienst, als wir »Wer nur den lieben Gott lässt walten« (ELKG² 541 | EG 369) gesungen haben. Da heißt es in der dritten Strophe:

»Man halte nur ein wenig stille / und sei doch in sich selbst vergnügt, / wie unser’s Gottes Gnadenwille, / wie sein Allwissenheit es fügt; / Gott, der uns sich hat auserwählt, / der weiß auch sehr wohl, was uns fehlt.«

In Herz und Sinn ist mir auch lange nach dem Singen die Formulierung »in sich selbst vergnügt« geblieben. Was ist das für eine Haltung oder für ein Empfinden, das hier beschrieben wird? Klar ist, dass es hier nicht um ein »Immer-gut-drauf-Sein« geht. Gerade in der Strophe vorher werden »Kreuz und Leid« genannt – und überhaupt kreist ja das ganze Lied darum, wie Menschen Trost besonders in schwierigen Lebensabschnitten finden können.

Ein Blick in die Wortgeschichte lässt erkennen, dass zur Zeit der Entstehung des Liedes »vergnügen« noch anders gebraucht wurde als heute, wo wir es eher im Sinn von »Spaß haben« verwenden. Damals schwang bei »vergnügen« viel stärker noch das »genügen« mit – es sich also genügen lassen und zufrieden sein.

So gewinnt diese Strophe dann einen etwas anderen Klang. Dann geht es weniger um eine dauerhafte innere Heiterkeit selbst in schweren Zeiten, sondern mehr darum, dass es in allem Schweren genug für mich ist zu wissen, dass Gott sich schon in guter Weise um mich kümmert. Dass ich in diesem Gedanken Ruhe und Frieden finde und so zufrieden sein kann. Das kann eine innere vergnügliche Heiterkeit durchaus einschließen – muss es aber eben nicht in jedem Fall.

Aber gerade in Zeiten, in denen uns so klar vor Augen steht, was alles noch sein könnte, sollte, müsste … kann es tatsächlich heilsam sein, sich auf das zu besinnen, was uns geschenkt und zugesagt ist: Gott sorgt für uns – auch und gerade in den schweren Zeiten unseres Lebens. Das ist genug.

»Ihr sollt genug zu essen haben und den Namen des HERRN, eures Gottes, preisen, der Wunder unter euch getan hat, und mein Volk soll nicht mehr zuschanden werden.« (Joel 2,26, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).

Christoph Barnbrock


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