Einatmen – Ausatmen, Einatmen – Ausatmen. Das machen wir als erwachsene Menschen ganz grob 20.000-mal am Tag. Würde uns jemand eine Aufgabe stellen (welcher Art auch immer) und zu uns sagen, wir müssten sie 20.000-mal am Tag erledigen: Wir würden wahrscheinlich dankend abwinken und sagen: Das schaffe ich nicht. (Oder: Ich schaffe es vielleicht für einen Tag, aber ganz bestimmt nicht mein ganzes Leben.)
Beim Atmen ist es anders. Ein gesunder Mensch braucht dafür keine Anleitung, keine Ausbildung, kein Studium. Sondern atmen können wir, sobald wir geboren sind. Und wir tun es, solange wir gesund sind und bleiben, ein Leben lang. Millionen- und abermillionenmal in unserem Leben.
Zu den besonderen medizinischen Fortschritten gehört, dass wir es gelernt haben, Menschen zu helfen, die selbst nicht mehr atmen können. Man denke an die Mund-zu-Mund-Beatmung aus dem Erste-Hilfe-Kurs oder an die anspruchsvolleren Beatmungsmöglichkeiten, die sich uns in Krankenhäusern bieten. Hilfe von außen ermöglicht es so einem Menschen, der von sich aus nicht mehr atmen kann, über die Zeit wieder zum eigenen Atmen zu finden.
Solche Momente machen uns deutlich, wie kostbar und wie unbedingt notwendig unser Atmen ist. Atmen und Leben ist tatsächlich fast eins. Wo kein Atmen ist, gibt es auch kein Leben. Und kein menschliches Leben ist ohne Atmen denkbar.
Am Anfang der Bibel wird bildreich beschrieben, wie Gott dem Menschen den Lebensatem in seine Nase bläst und so aus einem Stück Materie tatsächlich ein lebendiges Leben wird. Und so wird sehr plastisch deutlich: Jeder Atemzug ist ein Gottesgeschenk:
»Da machte Gott der HERR den Menschen aus Staub von der Erde und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen.« (1. Mose 2,7, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft)
Ein Dichter hat diesen Gedanken in dem Lied »O, dass ich tausend Zungen hätte« dann noch weitergesponnen. Nicht nur so, dass ich weiß, dass ich meinen Atem Gott verdanke, sondern eben auch so, dass jeder Atemzug zum Gotteslob werden möge: »Ach wär ein jeder Puls ein Dank / und jeder Odem [= Atemzug, CB] ein Gesang!« (ELKG² 589,2 | EG 330,2). Was für ein beeindruckender Gedanke, wie aus den unzählbaren Atemzügen der Menschen ein riesiges Chorkonzert des Gotteslobes wird!
Christoph Barnbrock
Entdecke mehr von Team Gott
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.
