Das Wort »treu« verbinden wir normalerweise mit Partnerschaften und Liebesbeziehungen. Bei der Hochzeit versprechen sich die Ehepartner lebenslange Treue. Und wenn jemand dann einen anderen Partner sucht oder findet, dann ist von »Untreue« die Rede.

Nun gibt es das Phänomen der Treue aber nicht nur in Liebesbeziehungen, sondern auch sonst. Einem Fußballverein, den man unterstützt, kann man beispielsweise treu sein. Oder einer Automarke. Oder auch einander in Freundschaften.

Dabei schwingt in der »Treue« immer mit, dass ich an etwas oder jemandem auch dann festhalte, wenn es mühsam ist oder ich scheinbar oder tatsächlich Optionen hätte, die attraktiver sind als die Sache oder der Mensch, der/dem ich treu bin. Die Fußballmannschaft meiner Heimatstadt etwa, den FC Remscheid, habe ich in meiner Jugendzeit noch in der 2. Fußball-Bundesliga erlebt. Inzwischen spielt die Mannschaft achtklassig. Und trotzdem bleibt die Verbundenheit zu meiner ersten großen »Fußball-Liebe«.

Ähnlich kann es mit Freunden sein. Wenn Freundschaften entstehen, dann passiert das oft in Phasen, in denen ich mit anderen dasselbe erlebe, mich in demselben Bereich engagiere oder wir gemeinsame Interessen haben. Freundschaften haben dann etwas Leichtes, fast Selbstverständliches. Im Laufe des Lebens trennen sich die Wege oft geografisch – Lebensgeschichten gehen in unterschiedliche Richtungen weiter. Seinen Freunden treu zu bleiben, heißt dann, den Beziehungsfaden nicht abreißen zu lassen, auch wenn es mehr Kraft kostet, in Verbindung zu bleiben. Vielleicht müssen auch Fremdheitsgefühle immer wieder einmal überwunden werden.

Einen besonderen Wert hat Treue vor allem darin, dass sie einen Raum des Vertrauens eröffnet. Wenn ich erfahre, dass jemand anders mir treu ist und treu bleibt, obwohl es mit mir mühsamer geworden ist, dann ist das ein Geschenk und lässt mich eben auch das aussprechen und nicht verdrängen, was nicht so ganz einfach ist.

Wenn ich auf meine eigene »Treue« schaue, dann ist es darum – wie in vielen Bereichen des Lebens – so »mittel« bestellt. Bestimmt gibt es Menschen in meinem Umfeld, die sich von mir wünschen würden, dass ich ihnen treuer wäre oder meine Treue zu ihnen erkennbarer würde. Auch hier bleibt manches Stückwerk.

Dankbar bin ich dafür, dass Gottes Treue vollkommen ist und sie nicht brüchig ist. So weckt seine Treue mein Vertrauen auf ihn: »Denn Gott ist treu, durch den ihr berufen seid zur Gemeinschaft seines Sohnes Jesus Christus, unseres Herrn.« (1. Korinther 1,9, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).

Christoph Barnbrock


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