Zu dem, was Kinder und Erwachsene fasziniert, gehören Seifenblasen. Dabei kann ich gar nicht ganz genau fassen, woran es liegt. Vielleicht daran, dass sie so unbeschwert durch die Luft tanzen. Oder daran, dass sie in ganz verschiedenen Farben schillern. Und ganz sicher auch daran, dass sie so etwas Zerbrechliches haben, sodass die Momente, in denen sie ganz bleiben, besonders sind.

An Seifenblasen lässt sich etwas lernen, was auch für den Glauben von Bedeutung ist: dass ich nicht alles anfassen kann, was ich bewundere und was mich beeindruckt. Sondern in dem Augenblick, in dem ich meine Hand danach ausstrecke und sie berühre, zerplatzt die Seifenblase. Und letztlich habe ich das, was ich anfassen wollte, weil es so wunderschön ist, mit meinem Griff zerstört.

In gewisser Weise lässt sich das auch auf unser Verhältnis zu Gott übertragen. Zwar würde Gott nicht einfach zerplatzen, wenn wir ihn berühren würden – ganz im Gegenteil! Die Bibel kennt eher Geschichten, die davon erzählen, dass Menschen die unmittelbare Gegenwart Gottes nicht ertragen würden. Aber doch gilt auch bei ihm: Ich kann ihn nicht einfach anfassen, ihn nicht nehmen und irgendwo in eine Schublade packen.

Ja, Gott ist da: in der Welt, in meinem und deinem Leben – und das wunderbar und beeindruckend. Aber eben doch niemals so, dass ich ihn greifen, ihn mir handhabbar machen könnte und ihn einfach irgendwo ablegen könnte. Er ist und bleibt auf wunderbare Weise einerseits da und andererseits meinem Zugriff entzogen. Könnte ich ihn fassen und irgendwo in meinem Leben wegräumen, wäre Gott nicht Gott. Und ich müsste feststellen, dass das Bild von Gott eine Illusion war und es zerplatzen musste.

Eine bemerkenswerte Ausnahme bildet allerdings das Heilige Abendmahl. Hier lässt sich Gott selbst tatsächlich greifen – und schmecken. Der, der sich sonst unserem Zugriff und erst recht unserer Instrumentalisierung entzieht, kommt auf Tuchfühlung und überwindet noch die letzte Distanz, damit mein Glaube hier einmal nicht nur etwas zu hören, zu denken, sondern auch zu schmecken und zu fühlen hat.

Es ist ein kostbarer Moment wie das Erleben, dass eine Seifenblase sich einmal wie auf wundersame Weise auf einem Blatt oder auf einem Gegenstand niederlässt, ohne kaputtzugehen. Das kann ich nicht machen. Das ereignet sich. Und um wie viel mehr gilt all das für die Abendmahlsfeier: Hier passiert das, was eigentlich gar nicht geht: dass Gott mir, einem Menschen, so nahe kommt. Und staunend höre ich und schmecke und sehe, während ich höre: doch, durch Gottes Gnade ist es möglich. Was für ein Wunder – für mich!

Der Silberschmied Demetrius beklagt sich unter seinen Handwerkskollegen in Ephesus: »[I]hr seht und hört, dass nicht allein in Ephesus, sondern auch fast in der ganzen Provinz Asia dieser Paulus viel Volk überredet und verführt, wenn er sagt: Was mit Händen gemacht ist, das sind keine Götter.« (Apostelgeschichte 19,26, Lutherübersetzung 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).

Christoph Barnbrock


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