Heute ist Christi Himmelfahrt – eines der kirchlichen Feste, die es nicht nur deswegen schwer haben, weil der Tag gleichzeitig auch (mit Bollerwagen voller Alkohol) als »Vatertag« genutzt wird. Sondern etwas sperrig ist dieser Tag auch aus anderen Gründen. Irgendwie ist nicht so richtig zu greifen, was dieser Tag eigentlich soll und was das Gute daran ist.
Bei Weihnachten ist das deutlich: Gott kommt uns als Kind in der Krippe ganz nah. Bei Ostern ist es ähnlich: Jesus Christus besiegt für uns den Tod. Und selbst der sperrige Karfreitag lässt uns erahnen, dass es vielleicht doch ganz gut ist, dass jemand stellvertretend für uns das getragen hat, was in unserem Leben nicht gut war und ist. Aber Himmelfahrt: Warum soll ich feiern, dass Jesus Christus wieder weg ist (so scheint es ja zu sein)?
Dazu kommt ein Darstellungsproblem. Die Szene vom Kind in der Krippe lässt sich prima malen. Dasselbe gilt für etliche Ereignisse aus dem Leben Jesu, für die Kreuzigung und selbst irgendwie für die Auferstehung, wenn Jesus mit Siegesfahne abgebildet wird. Aber bei der Himmelfahrt gibt es ohne Frage ein Darstellungsproblem, das besonders markant an diesem Bild von Hans Süß von Kulmbach, einem Zeitgenossen Martin Luthers, erkennbar wird. Es ist zwar hier nur ein Bildausschnitt zu sehen, aber der obere Bildrand ist originalgetreu eingefangen. Die Füße Jesu sind noch zu sehen und baumeln da irgendwie noch rum – der Rest des Körpers dagegen steckt schon im Himmel.
Damit kann sich dann leicht die Vorstellung verbinden, die bis heute in vielen Karikaturen zu entdecken ist, dass der Himmel, in den (oder besser: zu dem hin) Jesus aufgefahren ist, die Sphäre oberhalb der Wolken ist, wo er mit Gott Vater und dem Heiligen Geist von Wattewolke zu Wattewolke hüpft. Aber das ist natürlich ein Zerrbild, das nicht zuletzt den Eindruck vermittelt, das Jesus Christus – nach den Jahren seiner irdischen Wirksamkeit – uns nun (gewissermaßen im Altenteil) in einer gewissen Distanz gegenüberstünde.
Der Himmel, von dem in diesen Zusammenhängen die Rede ist, ist allerdings kein lokalisierbarer Ort, keine Wolke 7, auf der Jesus Christus sitzt und vielleicht noch – wie auf dem Bild dargestellt – die Beine baumeln lässt. Vor Jahren habe ich in einer Himmelfahrtspredigt den Satz gehört: »Jesus ist nichts ins All aufgefahren, sondern ins Überall.« Das ist so vielleicht auch etwas sehr zugespitzt formuliert, und allein und für sich genommen ist dieser Satz auch missverständlich – und doch ist etwas dran. Jesu Himmelfahrt setzt ihn gerade nicht in Distanz zu uns, sondern führt dazu, dass wir ihm überall begegnen können – und dabei vor allem an den Orten, an die er uns weist: seine Worte und die Sakramente.
Himmelfahrt heißt dann eben nicht: Jesus Christus ist weit weg – sondern er ist uns auf ganz neue Weise ganz nah. Und das auch dann, wenn wir seine Füße nicht aus einer Wolke lugen sehen.
»Und als [Jesus] das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf, weg vor ihren Augen.« (Apostelgeschichte 1,9, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).
Christoph Barnbrock
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