In den letzten Tagen haben die Temperaturen ordentlich aufgedreht. Pro Tag gab es erfreulich viele Sonnenstunden. Und damit gewannen auch Schattenplätze an Bedeutung. Mittags länger in der prallen Sonne zu stehen, ist bei solchen Temperaturen nur schwer auszuhalten. Schatten ist dann Gold wert.

»Schatten« begegnen in der Bibel tatsächlich in ganz unterschiedlicher Weise. Da kann in den Psalmen vom »Schatten deiner Flügel« (z.B. Psalm 36,8, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft) als einem Zufluchtsort die Rede sein. Und auf der anderen Seite gibt es die Vorstellung von den »Schatten des Todes« (Lukas 1,79), einem Ort, an dem man eher nicht sein möchte.

Aber der Gedanke der »Schatten« begegnet auch noch an anderer Stelle, nämlich im Hebräerbrief, wenn es da heißt: »Denn das Gesetz hat den Schatten von den zukünftigen Gütern, nicht die Gestalt der Dinge selbst.« (Hebräer 10,1). Hier ist also die Rede davon, dass manches im Gesetz des Mose schon angelegt ist, aber doch zugleich über sich hinausweist: auf Jesus Christus hin – wie ein Schatten, der zustande kommt, weil etwas anderes beleuchtet wird. Etwas ähnliches kommt im Englischen Wort »foreshadow« zum Ausdruck, im Deutschen vielleicht am ehesten zu übersetzen mit »ahnen lassen« oder »andeuten«.

Dabei kann die Blickrichtung durchaus eine doppelte sein. Ohne etwas, was ihn wirft, gibt es keinen Schatten. Und gleichzeitig kann mir mit Blick auf den Schatten manchmal auch etwas auffallen, was mir bei der Ansicht etwa des schattenwerfenden Baums gar nicht in den Blick geraten ist, ein Vogel etwa, der sich im Geäst bewegt. Und je nachdem, wie ich sitze und wie die Schatten fallen, kann ich von bestimmten Gegenständen in meiner Nähe sogar nur den Schatten sehen und nicht das, was ihn erzeugt. Und doch weiß ich aufgrund des Schattens: Sie sind da.

Im Glauben ist es in mancherlei Hinsicht ganz ähnlich. Gott kann ich nicht sehen, aber es gibt Schattenplätze, die er für mich bereithält, an denen ich ausruhen kann – nicht zuletzt im Gottesdienst. Indirekt kann ich – wie vom Schatten auf den entsprechenden Gegenstand – von manchem, was ich in dieser Welt wahrnehme, auf Gott schließen. Und wenn die Schatten des Todes näher rücken, darf ich gewiss sein: Diese wird Gott als Sonne des Lebens ausleuchten und dann alles Dunkel vertreiben.

Christoph Barnbrock


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