Ich bin in einer der regenreichsten Regionen Deutschlands aufgewachsen, dem Bergischen Land, – und dort noch in einer Stadt, die dafür bekannt ist, dass sie in dieser Region besonders viel Regen abbekommt. Damit habe ich in meiner Kindheit und Jugendzeit höchstwahrscheinlich zwei- bis dreimal so viel Regen erlebt wie meine Frau, die in Berlin aufgewachsen ist. An Regen hat es uns – gefühlt – nie gemangelt. Ganz im Gegenteil. Gerade für ein Kind, das gelegentlich einen gewissen Weg vom oder zum Bus zurücklegen musste, war das ausgesprochen nervig. Und es wäre spannend, einmal zu erforschen, ob das jeweilige Wetter in der Kindheit und Jugend auch etwas mit der aufwachsenden Person »macht«.

Umso mehr war es eine Horizonterweiterung, als wir bei einer unserer Afrikareisen mitbekamen, dass in Botswana das Wort für Regen, nämlich »Pula« zum Namen der nationalen Währung geworden ist, ja »Pula« in gewisser Hinsicht Inbegriff von »Segen« sein kann. Das, was ich in meiner Jugend zur Genüge gehabt hatte und dem ich vielleicht auch im Rahmen unserer Reisen in südliche Gefilde zu entfliehen versuchte, war hier nun also etwas ganz Kostbares und Wertvolles.

Längst wohne ich in einer anderen Region Deutschlands und einige Jahrzehnte sind vergangen seit meiner »Regen-Kindheit«. Und inzwischen sind auch in meiner Lebenswelt die lokale »Trinkwasserampel«, der Blick auf die Wetterapp, um zu schauen, wie groß die Waldbrandgefahr ist, und das bewusste Sammeln von Regenwasser angekommen.

Und so kann ich heute den Regen anders wertschätzen. Nein, ich bin immer noch kein Regenfreund. Allenfalls einen pladdernden Sommerregen, der etwas Abkühlung bringt und in dem ich mich einmal so richtig nassregnen lasse, kann ich kindlich genießen. Und doch weiß ich auch die Regentage zu schätzen, weiß, wie wichtig das Wasser von oben ist – für die Natur, aber auch für uns Menschen. Und ich nehme bewusster wahr als früher, wie unverfügbar dieses Geschenk vom Himmel ist.

Zugleich erinnert es mich daran, dass ich Gottes segensreiches Handeln an mir gar nicht immer erkenne – vielleicht ist es mir manchmal sogar lästig wie der Regen auf dem Weg vom oder zum Bus. Wie gut, dass meine instinktiven Wünsche nach möglichst 365 Tagen Frühlings- und Sommerwetter pro Jahr nicht in Erfüllung gehen, sondern es – Gott sei Dank – anders und besser gefügt ist.

»Und der HERR wird dir seinen guten Schatz auftun, den Himmel, dass er deinem Land Regen gebe zur rechten Zeit und dass er segne alle Werke deiner Hände.« (5. Mose 28,12, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).

Christoph Barnbrock


Entdecke mehr von Team Gott

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner