»Nichts« kann ein brutales Wort sein. Ich investiere an irgendeiner Stelle Zeit, Kraft und Mühe – und was ist der Ertrag? Nichts. Ich stecke in einer schwierige Situation und hoffe, dass sie sich verändert. Aber statt dass es ganz gut wird oder sich zumindest etwas an Besserung zeigt: Nichts.

»Nichts« kann deswegen so brutal sein, weil uns damit auch noch die Hoffnung genommen ist, dass aus etwas Kleinem, was wir wahrnehmen, Größeres oder gar Großes wachsen kann. Wenn ich einen kleinen Sprössling sehe, dann fällt es mir leichter zu glauben, dass da in Jahrzehnten einmal ein Baum stehen wird, als wenn da einfach nur trockener Boden und damit »nichts« ist.

Das »Nichts« steht gegen Hoffnungen und Erwartungen von Wachstum und Entwicklung, gegen die Aussicht, dass sich mit etwas Geduld die Dinge schon zum Guten wenden werden. Wo »nichts« ist, kann ich auch nicht mit Dünger oder Pflege dafür sorgen, dass sich etwas in die richtige Richtung entwickelt.

So ist »nichts« in mancherlei Hinsicht der Endgegner des Menschen. Hier kommen wir an unsere Grenzen. Wir können aus dem »Nichts« nicht etwas schaffen. Und es ist eine menschliche Urangst, ins »Nichts« zu fallen.

Wenn man so will, vollzieht sich eine der Grenzen zwischen Menschen und Gott am Umgang mit dem »Nichts«. Während Menschen hier resignieren müssen und nicht mehr handeln können, geht es bei Gott mit dem »Nichts« überhaupt erst los. Ihm sind da, wo wir »nichts« sehen, keine Grenzen gesetzt. So beginnt die Schöpfung mit dem »Nichts«, aus dem heraus Gott die ganze Welt schafft. Und selbst da, wo menschlicherseits nichts mehr an Hoffnung bleibt – wie bei Jesu Tod am Kreuz – wird der Welt doch gerade das größte nur denkbare Geschenk gemacht: Rettung, Heil und neues Leben.

So ist Gott ein Experte fürs »Nichts«, auch wenn sein kreativer Umgang mit dem »Nichts« aus unserer Perspektive oft einiges an Zeit in Anspruch nimmt. Sehr anschaulich wird das in einer Geschichte rund um den Propheten Elia in einer Zeit der Dürre, in der Menschen dringend auf Regen warteten:

Elia »sprach zu seinem Diener: Geh hinauf und schaue zum Meer hin! Er ging hinauf und schaute und sprach: Es ist nichts da. Elia sprach: Geh wieder hinauf! So geschah es siebenmal.« (1. Könige 18,43, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).

Das ist die Erfahrung mit dem »Nichts«, die wir kennen. Wo »nichts« ist, bleibt »nichts«. Da können wir noch so oft auf den Berg steigen und gucken (und die Zahl sieben hat hier ja Symbolwert, sie meint tatsächlich die Fülle an Versuchen). Die Lage scheint unausweichlich hoffnungslos zu sein.

Dann aber wendet sich das Blatt: »Und beim siebenten Mal sprach er: Siehe, es steigt eine kleine Wolke auf aus dem Meer wie eines Mannes Hand. […] Und ehe man sich’s versah, wurde der Himmel schwarz von Wolken und Wind, und es kam ein großer Regen.« (1. Könige 18,44f.).

Wo wir »nichts« sehen, fängt Gottes (Neu-)Schöpfungshandeln überhaupt erst so richtig an.

Christoph Barnbrock


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