Ein Leben: eine Welt

Anders als im Bereich von Musik, wo ich jedenfalls in »meiner« Ecke des Musikbusiness eine ganze Reihe von Künstlerinnen und Künstler begleite und ggf. auch gespannt auf die nächste Platte warte, fehlt mir diese Leidenschaft für die Filmlandschaft. Das bedauere ich durchaus. Ich weiß gar nicht, woran das liegt – vielleicht an der elterlichen Warnung von früher, nicht zu viel vor der »Glotze« abzuhängen (wobei ein guter Film mir heute als viel wertvoller erscheint als ein Rumsitzen auf dem Sofa und auf dem Handy rumzuscrollen). Vielleicht auch daran, dass mich Filme als junger Mensch oft auch emotional überfordert haben und ich ihnen so auch immer mit einem gewissen Respekt begegne, was sie wohl mit mir machen.

Lange Vorrede, kurzer Sinn: Um auf wirklich gute, neue Filme zu stoßen, bin ich oft auf Tipps aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis angewiesen. Genau das passierte vor ein paar Tagen, als mich eine Freundin auf den Film »The Life of Chuck« aufmerksam gemacht hat – verbunden mit dem Hinweis, dass der sich echt lohnen würde:

Nach dem ersten Drittel des Films hatte ich ernsthafte Zweifel daran, ob wir wirklich denselben Filmgeschmack haben und ob wir unter »lohnen« dasselbe verstehen würden. Am Ende aber wusste ich genau, was sie meinte. Er ist wirklich bewegend und beeindruckend!

Nun gehört es zur Eigenart und auch zum Wert des Films, dass er sich wieder in dem oben verlinkten Trailer noch in ein paar Worten zusammenfassen lässt. Zu vielschichtig ist er. Zu sehr lebt er von zum Teil ungewöhnlich langen Szenen, die sich mit ein paar dürren Worten nur unzureichend wiedergeben lassen.

Aber vielleicht lassen sich eben doch zwei Gedanken herausgreifen: Dass jeder Mensch in seinem Leben eine ganze Welt in seinem Kopf (und Herzen) trägt und diese unglaublich wertvoll ist. Und dass gerade angesichts des Erlebens des Todes geliebter Menschen und der Erwartung des eigenen Todes das Leben hier und jetzt so unglaublich wertvoll ist. Und viele ganz alltägliche Momente sind uns geschenkt, in denen das Leben in Fülle seinen Platz haben kann und die das Leben strahlen lassen.

Die Welt in mir und um mich herum wertschätzen, Momente bewusst wahrnehmen, in ihnen leben, sie nicht einfach verstreichen lassen und Gott gegenüber dankbar zu sein für das, was ich bin und habe – gerade angesichts der Endlichkeit meines Lebens. Das nehme ich für mich mit. Und wahrscheinlich klingt darin etwas von der »Klugheit« an, von der in den Psalmen die Rede ist:

»Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.« (Psalm 90,12, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).

Christoph Barnbrock


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