Menschen fühlen sich einsam. Das scheint in unserer Zeit ein besonderes Thema zu sein – jedenfalls sprießen Bücher und sonstige Veröffentlichungen zum Thema gerade wie Pilze aus dem Boden. Es werden Kongresse und andere Veranstaltungen zum Thema angeboten. Irgendwie scheint es »dran« zu sein. Und wenn ich auf mein eigenes Erleben schaue, dann kann ich das bestätigen. Immer wieder gibt es Situationen, in denen ich mir auch einsam vorkomme.

Dabei hat Einsamkeit erst einmal nichts damit zu tun, ob ich allein bin oder nicht. Ich kann zu einer Party kommen, wo ich niemanden kenne und mich inmitten vieler Leute einsam fühlen. Und andersherum: Ich kann alleine eine Wanderung auf einen Berg unternehmen, ohne mir einsam vorzukommen.

Einsam sein, so las ich kürzlich, bedeutet der Sache nach, entweder nicht genug Beziehungen zu anderen Menschen zu haben – oder schon eine ganze Menge, aber unter diesen zu wenige, die wirklich tragen. Oder das Gefühl zu haben, zu wichtigen Gruppen nicht dazuzugehören.

Dabei ist Einsamkeit auf Dauer ungesund, geht oft mit einem Schamgefühl einher, dass ich nicht einmal das »auf die Kette kriege«, Freunde zu haben oder Freundschaften zu pflegen, einen Partner oder eine Partnerin zu finden oder zu behalten. Und bisweilen werden einsame Menschen tatsächlich auch von ihrer Umgebung als unattraktiver wahrgenommen.

Einsamkeit – ein Teufelskreis, so scheint es. Und es ist gar nicht so einfach, da wieder rauszukommen. Allerdings kann es helfen, die kleinen Kontakte im Alltag nicht von vornherein zu vermeiden: Im Zug nicht gleich die Kopfhörer aufzusetzen, sondern vielleicht kurz mit der Sitznachbarin Smalltalk zu machen. Und manchmal ist es auch tröstlich zu wissen, dass ich mit diesem Gefühl der Einsamkeit nicht allein bin, sondern viele ganz ähnlich empfinden.

Darüber hinaus finde ich es wohltuend, dass auch Jesus Christus unsere Einsamkeit nicht außer Acht lässt. Mit Blick darauf, dass er mit seiner Himmelfahrt zum Vater zurückkehrt beschäftigt ihn das Ergehen derer, die an ihn glauben. Wie wird das für sie sein? Würden sie sich nach Monaten und Jahren intensivster Gemeinschaft plötzlich einsam und verlassen fühlen? Würde es ihnen so ähnlich gehen wie Waisen, die ohne Vater und Mutter aufwachsen? Jesus setzt etwas dagegen: Die Sendung des Heiligen Geistes und seine bleibende Gegenwart bei uns, auch wenn wir ihn nicht sehen können. An dieser Stelle wird Einsamkeit aufgebrochen und neue Gemeinschaft mit ihm erlebbar:

Jesus Christus spricht: »Und ich will den Vater bitten und er wird euch einen andern Tröster geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit: den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, denn sie sieht ihn nicht und kennt ihn nicht. Ihr kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein. Ich will euch nicht als Waisen zurücklassen; ich komme zu euch.« (Johannes 14,16–18, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).

Christoph Barnbrock


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