Am Anfang das Wort

Dass Worte nicht einfach nur »Schall und Rauch« sind, sondern Worte Macht haben, sie verletzen und guttun können, weiß jeder aus seinem Alltag. Es lohnt deswegen, achtsam mit ihnen umzugehen.

Besonders schön bringt dies Maidline Aurie in einer Vertonung eines Gedichts von René Borbonus zum Ausdruck:

»Achte auf Deine Worte / Vor allem auf die Sorte / Derer, die verletzen, / Und Menschen entsetzen«. – Nein, diese Worte sollen es nicht sein, sondern besser so: »Achte auf Deine Worte / Und wähle eine Sorte, / Die Menschen berührt / Und in denen der Respekt / Sich nicht versteckt«. Hierin verbirgt sich die Sehnsucht, dass in einem vorsichtigen, verantwortungsvollen Umgang mit Worten die Welt besser wird: »Komm, / Wir machen die Welt / Zu ’nem bess’ren Ort«. Dass sich das lohnt, genau das in unserem Leben anzustreben, steht außer Frage. Ob die Welt am Ende durch unser Bemühen wirklich zu einem erkennbar »bess’ren Ort« wird, lässt sich durchaus kritisch anfragen – ohne auf das Bemühen darum verzichten zu wollen.

Bemerkenswert finde ich, dass in dieses Gedicht, (leicht verändert) der Teil eines Bibelverses verwoben ist: »Und am Anfang, am Anfang / Steht das Wort«. Das ist erkennbar eine Anspielung auf den Start des Johannesevangeliums:

»Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.« (Johannes 1,1, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).

Der Evangelist Johannes ist ja ein Meister darin, Gegenstände des Glaubens noch einmal aus einer ganz anderen Perspektive zu beleuchten. Und so beschreibt er das, was zu Weihnachten geschehen ist, nicht so, dass er noch einmal die Geschichte von Stall, Krippe und Hirten erzählt. Sondern er setzt im Großen und Ganzen an – noch vor der Schöpfung, vor der bereits Jesus Christus, das Wort Gottes, existierte.

Und auch wenn sich der jeweilige Horizont (bei Johannes das Große und Ganze – bei Maidline Aurie eher die kleine Welt im Miteinander) sich voneinander unterscheidet, ist doch der Grundgedanke derselbe: Ein Wort steht am Anfang. Schon ein Wort kann den Unterschied machen.

Johannes kann davon reden, dass das Wort Gottes, Jesus Christus, »Gnade und Wahrheit« (Johannes 1,14) mit sich bringt, ja, sogar durch dieses Wort »geworden« sind (1,17). Ein Wort, das »Gnade und Wahrheit« bringt. Das lässt sich auch nicht anders denken, als dass hier tatsächlich ein Wort gesprochen ist, das »Menschen berührt«. Und die Evangelien erzählen ja in vielfacher Weise davon, wie dieses Wort, Jesus Christus, Menschen berührt hat. Und das tut es noch bis heute.

Mit Jesus Christus verbindet sich tatsächlich die berechtigte Hoffnung, dass »die Welt zu ’nem bess’ren Ort« wird, indem Gott der Sünde und dem Hass, der Lieblosigkeit und Gottlosigkeit sein Wort der Gnade entgegengesetzt hat. Und spätestens wenn es eine neue Welt gibt, wird diese zu »nem bess’ren Ort«. Ein Wort kann den Unterschied machen. »Am Anfang steht das Wort.«

Christoph Barnbrock


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