Das Fach, das ich heute unterrichte, Praktische Theologie, ist nicht schon immer mein Lieblingsfach gewesen. Am Anfang meines Studiums fand ich die Systematische Theologie, die Fragen des Glaubens ordnet und verstehend durchdringt, faszinierender. Später hat mich dann auch die geschichtliche Entwicklung des Christentums, wie sie die Kirchengeschichte beleuchtet, stärker interessiert. Zur Praktischen Theologie, in der ich heute ganz zu Hause bin, bin ich dann erst später und auf Umwegen gelangt. Aber das wäre ein Thema für sich.
Ein erstes Mal ist mir Praktische Theologie in ihrer Eigenart aufgefallen, als wir in meinem Grundstudium im Konvent der Theologiestudierenden einen Professor von der Uni aus Göttingen zu Gast hatten, Christoph Bizer. Ich kann mich nicht mehr im Detail daran erinnern, worum es thematisch an diesem Tag genau ging. Aber ich entsinne mich noch, dass der Referent uns nötigte, altvertraute theologische bzw. liturgische Formulierungen neu zu beleuchten.
Die Formulierung etwa, die viele Gebete abschließt: »durch Jesus Christus, unsern Herrn«. Hier einmal hinzudenken, was »durch« alles anschaulich bedeuten kann: Der Brief, der durch einen Briefträger zugestellt wird. Wasser, das durch eine Leitung fließt. Das war was: Sätze nicht nur auf ihren dogmatischen Wahrheitsgehalt zu überprüfen, sondern das herauszuarbeiten, was an Bildwelten in ihnen steckt. Damals war mir das noch fremd, später ist mir gerade das wichtig geworden. (Mehr zu Christoph Bizer und was ich von ihm gelernt habe lässt sich hier nachlesen).
Heute bleibe ich noch einen Moment beim »durch«. Wenn wir zu Gott beten »durch« Jesus Christus, dann können wir gewiss sein, dass diese Gebete tatsächlich den Vater im Himmel erreichen, wie Wasser, das durch eine intakte Leitung fließt und sich eben nicht auf dem Weg verliert. Oder die Vorstellung, dass Jesus Christus – wie ein verlässlicher Briefträger – unsere Anliegen an Gott zustellt.
Und umgekehrt gibt es in der Bibel Formulierungen, aus denen hervorgeht, dass uns Wichtiges und Wesentliches durch Jesus Christus geschenkt wird, hier etwa:
»Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unsern Herrn Jesus Christus!« (1. Korinther 15,57, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft)
Der Ostersieg fließt uns durch Jesus Christus zu wie Wasser durch eine Leitung, wird uns zugestellt durch Jesus Christus, wie eine Postsendung durch einen zuverlässigen Postboten. Da müssen wir nicht hoffen und bangen, uns nicht fragen, wo und wie wir da drankommen. Sondern all das erreicht uns gewiss: »durch Jesus Christus, unsern Herrn«.
Christoph Barnbrock
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