Freunde haben, so scheint es mir, gegenüber früheren Zeiten an Bedeutung gewonnen. Das liegt sicherlich auch daran, dass unsere Leben mobiler geworden sind als früher. Lebten in früheren Zeiten die Menschen im Durchschnitt (Ausnahmen gab es natürlich immer) ortsgebundener, spielte die Familie vor Ort fast automatisch eine größere Rolle. Außerdem war man in vielerlei Hinsicht zum Leben und Überleben familiär aufeinander angewiesen. Freizeit, die man mit Freundinnen oder Freunden hätte zubringen könnten, gab es da kaum.
Das alles hat sich zumindest in unserem Kulturkreis geändert. Viele Umzüge – gerade im ersten Lebensdrittel – stehen an. Und damit auch die Herausforderung, sich am neuen Ort jeweils ein neues soziales Umfeld zu erschließen. Es braucht dann Freunde und Bekannte vor Ort.
Dabei lässt sich immer wieder erleben, dass die neuen Freundschaften die alten Freundschaftsbande und die Beziehungen zur Familie nicht einfach ersetzen, sondern oft ergänzen und bereichern. Auch diese Verbindungen sind ja nicht einfach statisch, sondern ständig in Bewegung und im Wandel.
Was aber macht eine gute Freundschaft aus? Dass die andere Person mich gern hat – so, wie ich bin (und manchmal auch, obwohl ich bin, wie ich bin). Dass ich mich nicht verstellen muss. Und auch mein Gegenüber ehrlich zu mir ist, es mir nicht einfach nach dem Mund redet, sondern im besten Fall mich auch dann bremst, wenn ich Gefahr laufe, mich in irgendetwas zu verrennen, was nicht gut ist. Gute Freunde sind für mich da, wenn ich sie brauche, helfen mir, stehen für mich ein. Und gute Freunde verstehen mich, wie es mir geht und warum es mir geht, wie es mir geht.
In einem Lied von Ulrich G. Schneider heißt es in der ersten Liedzeile »Gott ist in Christus mir ein guter Freund« (Come on and sing, Bd. 2, Nr. 290,1). Gott als Urbild eines guten Freundes – ich finde: ein schönes und passendes Bild. Und umgekehrt lässt sich von diesem »guten Freund« dann auch der Wert unserer Freundschaften neu entdecken – übrigens ein Gedanke, der auch den Autoren der Bibel nicht fremd war (wenn es vielleicht auch nicht unbedingt unsere Bilder sind, die hier gebraucht werden):
»Das Herz freut sich an Salbe und Räucherwerk, und süß ist der Freund, der wohlgemeinten Rat gibt. Deinen Freund und deines Vaters Freund verlass nicht.« (Sprüche 27,9f., Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).
Christoph Barnbrock
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