Die Rede davon, dass das christliche Leben in der Taufe mit einer »Wiedergeburt« beginnt, gehört zu den eher sperrigen Beschreibungen des christlichen Lebens. Etwas beruhigend mag sein, dass schon biblische Akteure wie Nikodemus an dieser Stelle schon so ihre Probleme hatten:
Jesus sagt zu Nikodemus: »Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht von Neuem geboren wird, so kann er das Reich Gottes nicht sehen. Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er denn wieder in seiner Mutter Leib gehen und geboren werden?« (Johannes 3,3f., Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).
Kürzlich stieß ich bei meiner Freizeitlektüre auf eine Passage, die – obwohl in anderem Kontext formuliert – bestimmte Aspekte dieser »neuen Geburt« oder »Wiedergeburt« in Worte fasst. Es handelt sich um eine kurze Passage im Buch »Der blinde Lehrer«. Die Geschichte kreist um einen erblindeten Lehrer, der in einer Problemklasse unterrichtet und letztlich ihr Herz gewinnt. In einer Rückblende, in der der Protagonist auf einen gescheiterten Suizidversuch angesichts seines Erblindens zurückschaut, formuliert dieser:
»Im dem Augenblick wurde ich wiedergeboren, weil ich das alte Leben, in dem ich die Dinge im Griff hatte, sterben ließ. Ein neues Leben begann, in dem ich lernen musste zu empfangen.«
Das scheint mir tatsächlich auch eine ziemlich treffende Beschreibung des neuen Lebens zu sein, das in der Taufe begonnen hat. Ich selbst muss die Dinge nicht mehr im Griff haben, sondern bin ganz ein Empfangender geworden. Nicht was ich tue, was ich kontrollieren kann, was ich vorzuweisen habe, zählt, sondern das, was Jesus Christus mir schenkt. Das Leben des »Im-Griff-Habens« musste sterben und das Leben des »Empfangens« hat begonnen.
Christoph Barnbrock
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