Kürzlich kamen wir in der Familie darüber ins Gespräch, dass wir an manchen Stellen die Zeit in »vor Corona« und »nach Corona« einteilen, wenn wir etwa versuchen, uns zu erinnern, wann wir welchen Urlaub gemacht haben. (Übrigens immer mal wieder eine Gelegenheit, auf der einen Seite dafür zu danken, dass diese Zeit mit allen Belastungen, aller Überforderung und aller Schuld hinter uns liegt, und auf der anderen Seite die Hände für die zu falten, die mit den Folgen auf die eine oder andere Weise bis heute zu kämpfen haben.)
Bei dieser Zeiteinteilung »vor/nach Corona« kam mir mein Vater wieder in den Sinn, der – wie viele seiner Generation – im Erzählen oft von »nach’m Krieg« sprach. Als der Zweite Weltkrieg endete, wurde er 16 Jahre alt. Dieser mörderische Krieg hatte also seine gesamte Jugend ausgemacht – kein Wunder also, dass er das bestimmende Ereignis seines Lebens war, das für meinen Vater die Zeiten einteilte.
Bemerkenswert ist ja, wie häufig wir schlimme, belastende und im negativen Sinn folgenreiche Ereignisse nutzen, um unsere Zeiten zu bestimmen. Beispiele, wo etwas Positives einen Einschnitt darstellt, gibt es weniger – vielleicht in unserem Bereich am ehesten »die Wende«, also der friedliche politische Umbruch in der DDR 1989.
Umso schöner ist es, dass wir unsere Zeit von Jesu Geburt her zählen, wir uns Anno Domini (im Jahr des Herrn) 2026 befinden. Hier zählen wir eben nicht von einem Ereignis her, das Menschenleben zerstört, sondern das Leben der Menschen gewonnen hat. Hier blicken wir nicht auf ein Geschehen zurück, dass die Menschen zerrissen hat, sondern darauf, dass einer gekommen ist, um uns zu versöhnen: mit Gott und auch untereinander.
So gesehen ist jedes Datum, das ich auf einen Brief schreibe, oder irgendwo in eine Eingabemaske in den Computer tippe, eine kleine Erinnerung an dieses heilvolle und heilsame Geschehen der Weltgeschichte. Eine echte Zeitenwende.
»Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war. […] Und sie [Maria] gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.« (Lukas 2,1f.7, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).
Christoph Barnbrock
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