Auf dem Weg zu einem Gottesdienstort, an dem ich regelmäßig Vertretungsgottesdienste halte, komme ich regelmäßig an diesem Hausspruch vorbei: »Man muss nur wollen, daran glauben, dann wird es gelingen.«
Mich macht dieser Spruch jedes Mal, wenn ich daran vorbeifahre, »wuschig«. Ich denke dann an meine Frau und ihr Arbeitsumfeld als Kinderonkologin. Tag für Tag hat sie mit Kindern und deren Familien zu tun, die an Krebs erkrankt sind. Dankenswerterweise hat die Forschung in diesem Bereich in den letzten Jahren riesige Fortschritte gemacht, sodass tatsächlich viele Kinder wieder gesund werden – viele, aber eben nicht alle.
Und ich stelle mir vor, wie dieser Hausspruch auf die Familien wirkt, deren Kinder nicht gesund werden: »Man muss nur wollen, daran glauben, dann wird es gelingen.« Was ist, wenn das eigene Kind nicht gesund wird? Haben alle Beteiligten nicht genug gewollt? Haben sie nicht genug daran geglaubt?
Ich halte es tatsächlich für fahrlässig und lieblos, das Gelingen im Leben von dem eigenen Wollen oder Daran-Glauben abhängig zu machen. So, wie der Spruch dasteht, ist er schlicht und ergreifend nicht wahr, auch wenn er super in eine Welt der positiven Affirmationen zu passen scheint.
Übrigens: Der Satz wird nicht besser, wenn man noch das Wort »Gott« hineinschmuggelt. »Man muss nur wollen, an Gott glauben, dann wird es gelingen.« Das wäre ähnlich schräg.
Andersherum wird ein Schuh draus – wenn ich von hinten anfange: Wo ich Gelingen in meinem Leben wahrnehme, da kann ich glauben, dass Gott Wollen und Vollbringen gegeben hat. Und ich kann natürlich auch Gott darum bitten, dass er mich das gelingen lässt, was ich mir vorgenommen habe und wovon ich überzeugt bin. Aber ob es dann am Ende auch so kommt oder eben auch nicht – das liegt in Gottes Hand.
Auszuhalten, dass Gott uns bisweilen andere Wege führt, als wir sie uns wünschen, ist dann manchmal immer noch schwer. Aber definitiv müssen wir uns nicht vorwerfen, dass wir es nicht genug gewollt oder nicht genug daran geglaubt haben. Gott zahlt nicht für unseren Einsatz an Wollen und Glauben als Lohn unser Gelingen aus.
Sondern Glauben bedeutet im biblischen Sinne, dass wir uns Gott anvertrauen – in den guten wie in den schweren Zeiten des Lebens. Dass wir uns selbst dann bei ihm bergen können, wenn wir in unserem Leben nur Misslingen und Scheitern sehen.
Manchmal allerdings erleben wir es dann auch, dass wir um etwas bitten und entdecken können, dass Gott es tatsächlich hat gelingen lassen, was wir uns gewünscht haben. Wie schön! Und gewiss ein Dankgebet wert!
Abrahams Knecht betete: »HERR, du Gott meines Herrn Abraham, lass es mir heute gelingen und tu Barmherzigkeit an Abraham, meinem Herrn!« (1. Mose 24,12, Lutherübersetzung 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).
Christoph Barnbrock
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