Mit dem Sitzen ist das so eine Sache. Auf der einen Seite ist es auf einer längeren Zugfahrt super, einen Sitzplatz zu haben und nicht die ganze Zeit stehen zu müssen. Auf der anderen Seite ist in der Schule das »Sitzenbleiben« etwas Unerfreuliches. Und ein Rockkonzert oder ein Handball- oder Fußballspiel lässt sich (zumindest in den entscheidenden Momenten) nicht wirklich im Sitzen miterleben. Da muss ich schon stehen, mitsingen oder mitjubeln.

Angesichts dessen ist es schon bemerkenswert, dass im Apostolischen Glaubensbekenntnis davon die Rede ist, dass Jesus Christus zur Rechten Gottes »sitzt«. Was zunächst wie eine kaum erwähnenswerte Randnotiz klingt, enthält dann doch mehr an Botschaft, als wir vielleicht auf den ersten Blick wahrnehmen.

Denn zu sitzen, war und ist vielerorts ein Privileg. Und in Zeiten und Kulturen, in denen es nicht wie bei uns Sitzmobiliar in Hülle und Fülle gab und gibt, sagt es auch etwas über die Rangordnung aus, wer sitzt und wer steht. Herrscher haben für gewöhnlich gesessen. Untertanen haben bei einer Audienz gestanden.

Und noch heute wäre es so, dass wir einem Ehrengast, der zu einem Fest kommt, bei dem schon alle Sitzplätze besetzt sind, selbstverständlich einen Sitzplatz anbieten würden. Der Gast soll sitzen, und zur Not müssten andere dafür aufstehen und stehen.

So begegnet Gott in der Bibel immer wieder als der, der auf dem Thron sitzt – Sinnbild dafür, dass er eine besondere Stellung, dass er Macht über alles hat. Und wenn wir im Glaubensbekenntnis zum Ausdruck bringen, dass Jesus Christus an der Seite Gottes »sitzt«, dann bringen wir damit zum Ausdruck, dass er an dieser Herrschermacht Anteil hat. Der Gottessohn und Menschenbruder, der zur Zeit seines Erdenlebens alles in die Waagschale geworfen hat, um uns zu erlösen, hat nun die Macht im Himmel und auf Erden. Er, der seine Liebe zu uns am Kreuz so eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat, ist nun im Himmel »am Ruder«. Ich finde: Das ist ein guter, ein tröstlicher Gedanke!

»Und jedes Geschöpf, das im Himmel ist und auf Erden und unter der Erde und auf dem Meer und alles, was darin ist, hörte ich sagen: Dem, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm sei Lob und Ehre und Preis und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit!« (Offenbarung 5,13, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).

Christoph Barnbrock


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