Unprofessionelles Gotteslob

Unsere Kinder haben eine Schule mit musikalischem Schwerpunkt besucht (bzw. tun es noch). Da gehört es dazu, dass regelmäßig abendfüllende Schulkonzerte gegeben werden. Über die Jahre bekommt man einen Eindruck davon, wie die Schulkonzerte aufgebaut werden. Tendenziell gilt die Regel: Nach hinten raus wird es immer professioneller und ambitionierter.

Auch hier gilt allerdings: Keine Regel ohne Ausnahme. Das Gitarrenensemble, das traditionell die Konzerte eröffnet, hat sich inzwischen ein erstaunliches Niveau erarbeitet. Vor Jahren waren die musikalischen Künste hier ziemlich elementar.

Was sich aber über all die Jahre nicht geändert hat, ist, dass die Darbietungen der Anfänger-Streichergruppen für musikalisch etwas geschulte Ohren, sagen wir mal so, eine gewisse Herausforderung darstellen. Als Gitarrenspieler, der froh und dankbar ist, dass die einzelnen Töne auf meinem Instrument durch Bünde abgegrenzt sind, kann ich das auch gut nachvollziehen. Wie soll man auf einer Geige oder auch Bratsche seine Töne exakt finden, wenn man das auf dem Griffbrett gar nicht nachgucken kann?

Jedenfalls sind diese Streicherdarbietungen immer eher zu ertragen als zu genießen – und das geht dann auch irgendwie, weil es schon auch berührend ist, diese Kinder anzuschauen. Und außerdem weiß natürlich auch ich: Lernprozesse brauchen Zeit. Oder um es etwas plakativer auszudrücken: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.

Beim letzten Konzert kam mir an dieser Stelle die biblische Szene von den Kindern im Tempel in den Sinn, die das herumkrakeelten, was sie zuvor von den Erwachsenen wahrgenommen hatten: »Hosianna, dem Sohn Davids!«. Und das sangen sie nicht »mit fein lieblicher Stimme«, sondern schrien wild durcheinander – sicherlich auch das eher eine Zumutung für die Ohren.

Kein Wunder, dass das nach Form und Inhalt für die Hohenpriester und Schriftgelehrten schwer auszuhalten war. Für Jesus stellt sich das allerdings anders dar. Er freut sich an diesem »unprofessionellen« Gotteslob und sieht darin etwas, was schon in den Psalmen zu lesen ist. Es kommt eben nicht immer auf Professionalität an, sondern manchmal viel mehr auf Herz und Leidenschaft und das Wahrnehmen dessen, der als Retter in diese Welt gekommen ist.

»Als aber die Hohenpriester und Schriftgelehrten die Wunder sahen, die er tat, und die Kinder, die im Tempel schrien und sagten: Hosianna dem Sohn Davids!, entrüsteten sie sich und sprachen zu ihm: Hörst du auch, was diese sagen? Jesus sprach zu ihnen: Ja! Habt ihr nie gelesen: ›Aus dem Munde der Unmündigen und Säuglinge hast du dir Lob bereitet‹?« (Matthäus 21,15f., Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).

Christoph Barnbrock


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