Ich finde es immer wieder faszinierend, wie sich in Liebesliedern der Popmusik Motive finden, die sich 1:1 auf Gottes Reden und sein Werben um uns übertragen lassen. Das ist auch gar nicht so überraschend, weil das Verhältnis zwischen Gott und seinem Volk, zwischen Gott und seinen Menschen auch in der Bibel regelmäßig in der Bildsprache von Verliebten, von Braut und Bräutigam ausgedrückt wird.
Ein Lied, bei dem mir die Parallelen wieder einmal in besonderer Weise ins Auge gestochen sind, ist John Hiatts »Have A Little Faith In Me« (und das, obwohl sich die Krisensituation, in der Hiatt das Lied schrieb, nicht auf Gott übertragen lässt):
Das ist übrigens auch einer der Songs, die in einer Coverversion (in diesem Fall von Joe Cocker) noch einmal größere Kreise gezogen hat. Aber das nur am Rande.
Auch in diesem Lied wird zu Beginn das Bild aus Psalm 23 vom »Wandern im finstern Tal« aufgenommen (»When the road gets dark / And you can no longer see«). Die Angeredete scheint angesichts dessen, was ihr die Tränen in die Augen treibt, nicht mehr daran glauben zu können, dass es noch einmal anders, besser wird (»And when the tears you cry / Are all you can believe«).
Dem steht nun das liebevolle Werben des Sängers gegenüber: »Have a little faith in me« (Schenk mir doch zumindest etwas Vertrauen!). In aller Verzweiflung, die das Gegenüber empfindet, malt der Sänger ihm seine Liebe vor Augen: den Funken, der die Nacht erhellt (»Just let my love throw a spark«), die liebenden Arme (»loving arms«), die die Geliebte auch dann noch halten, wenn sie meint, ins Bodenlose zu stürzen (»I will catch you, I will catch your fall baby«). Es ist eine Liebe, die ganz Geschenk ist und auf keine Gegenleistung aus ist (»Expecting nothing in return«).
Es fällt mir leicht, in diesen Worten, Gottes Werben um mich, um uns wiederzuerkennen: wie er uns seine Liebe vor Augen malt und wieder und wieder und wieder um unser Vertrauen, unsern Glauben wirbt: »Have a little faith in me«. Und zugleich ist sein Reden von seiner Liebe der Grund, in dem der Glaube wurzeln und aus dem er sich ernähren kann.
»Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte.« (Jeremia 31,3, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).
Christoph Barnbrock
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