In diesen Tagen wurde der Jesus-Christus-Turm der beeindruckenden Basilika »La Sagrada Familia« in Barcelona geweiht, ein weiterer Schritt zu deren Fertigstellung. Dieses Gebäude stellt wahrscheinlich das beeindruckendste kirchliche Bauprojekt der letzten 150 Jahre dar – und ziemlich genauso lang dauert der Bau inzwischen auch.
Solche Bauwerke sind immer Generationenprojekte. Diejenigen, die sie beginnen, erleben meistens ihre Fertigstellung nicht. Sie haben also selbst nichts von der Arbeit, die sie investieren. Sondern das, wofür sie Zeit und Kraft aufwenden, werden andere nutzen und genießen können.
So zu arbeiten, steht quer zu dem, wie Menschen heute für gewöhnlich unterwegs sind – mich eingeschlossen. In unserer Zeit rückt für viele Menschen der unmittelbare Nutzen dessen, was sie tun, in den Fokus. Was bringt mir das – jetzt? Das aber nimmt letztlich die Gelegenheit, wirklich Großes entstehen zu lassen, das eben Zeit braucht, um zu werden – wie eben die La Sagrada Familia.
Vielleicht braucht es für große Kunst, für etwas, was über das Funktionale und Alltägliche herausragt, tatsächlich dreierlei: Eine Jenseitshoffnung, die unsere Lebenszeit relativiert, einen Glauben an Gott, der uns erkennen lässt, dass unsere Geschichte mit ihm hineingenommen ist in seine Geschichte mit der ganzen Menschheit, und Nächstenliebe, die aus diesem Glauben erwächst und die mich dazu bewegt, mich für Projekte einzusetzen, von deren Nutzen ich selbst am Ende gar nichts habe.
Der geniale Architekt hinter der La Sagrada Familia, Antoni Gaudí, der vor 100 Jahren starb, wird angesichts der zu erwartenden langen Bauzeit der Kirche mit dem Satz zitiert: »Mein Kunde hat keine Eile.«
Was für eine gelassene und entlastende Perspektive für alles Tun und alle Projekte im Reich Gottes: Unser »Kunde« (oder vielleicht besser: unser »Auftraggeber«), also Gott, hat keine Eile. Der drängt und drängelt nicht, er hält auch Rückschläge aus und hält uns in unseren Misserfolgen. Und gleichzeitig gibt er seinen Segen zum Wollen und Vollbringen. Nicht jedes Ergebnis dessen, was wir getan haben, werden wir zu Lebzeiten bestaunen können – aber das konnte Gaudí bei der La Sagrada Familia auch nicht.
»Dieser ist Gott, unser Gott für immer und ewig. Er ist’s, der uns führet.« (Psalm 48,15, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).
Christoph Barnbrock
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