Der Name »Panenka« ist untrennbar mit dem entscheidenden Elfmeter verbunden, den eben Antonín Panenka 1976 im Finale der Fußball-Europameisterschaft der Männer gegen den deutschen Torhüter Sepp Maier versenkte. Dabei spekulierte Panenka darauf, dass sich Maier für eine Ecke entscheiden würde (was dieser auch tat), und lupfte den Ball lässig in die Mitte des Tores. Und die Tschechoslowakei war Europameister. Wer sich den Strafstoß noch einmal anschauen möchte, wird hier fündig. Seither ist »Panenka« zum Synonym für solche Trick-Elfmeter geworden.
Der Autor Rónán Hession hat aus dieser Geschichte einen Roman unter umgekehrten Vorzeichen gemacht. Im Mittelpunkt des Romans, der ebenfalls den Titel »Panenka« trägt, steht Joseph, der im jungen Erwachsenenalter Fußballprofi war. Im entscheidenden Spiel seines Vereins, das dem Erzrivalen die Meisterschaft verdorben und seiner Mannschaft den Abstieg erspart hätte, war er zum Elfmeter angetreten und hatte es mit einem »Panenka« versucht. Aber anders als Antonín Panenka, der mit seinem Elfmeter zum Helden wurde, wird Joseph mit dieser Ausführung des Strafstoßes zum tragischen Helden. Denn der Torwart hatte das Ganze gerochen, sodass er einfach stehen blieb und der Ball ihm in die Arme flog. Der Erzgegner gewann die Meisterschaft und Josephs Mannschaft stieg ab und erholte sich über Jahrzehnte nicht von diesem Ereignis. Joseph hat an diesem Tag den für ihn wenig charmanten Spitznamen »Panenka« erhalten, der dem Roman seinen Namen gibt, und er wird zu einer Person, die in seiner Heimatstadt keinen Platz mehr hat. Er wird ausgegrenzt und er grenzt sich selbst aus, weil er sich diesen Fehlschuss nicht verzeihen kann.
Ich habe mich bei dieser Geschichte an die Begegnungen Jesu mit Menschen erinnert gefühlt, die an Aussatz erkrankt waren. Auch sie hatten keinen Platz mehr in der Gesellschaft, waren ausgegrenzt und hielten sich selbst von den anderen fern. Und letztlich gab es für sie keine Zukunftsperspektive. Die Begegnung mit Jesus führt sie wieder zurück in die Gemeinschaft, etwa in dieser Erzählung:
»Und siehe, ein Aussätziger kam heran und fiel vor ihm [= Jesus, CB] nieder und sprach: Herr, wenn du willst, kannst du mich reinigen. Und Jesus streckte die Hand aus, rührte ihn an und sprach: Ich will’s tun; sei rein! Und sogleich wurde er von seinem Aussatz rein.« (Matthäus 8,2f., Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).
So sind diese Aussätzigen, die in der Begegnung mit Jesus eine neue Perspektive gewinnen, nicht nur für die ein Hoffnungsbild, die unter einer körperlichen Erkrankung leiden, sondern auch für diejenigen, die meinen, durch irgendetwas ihr Recht auf ein unbeschwertes Leben verwirkt zu haben. Jesus öffnet Türen und macht ein anderes Leben möglich.
Beim »Panenka« des Buches ist es übrigens auch eine Begegnung, die sein Leben verändert. Und eine Kirche spielt am Ende auch eine Rolle. Aber hier mehr zu verraten, hieße zu »spoilern« – und das soll natürlich nicht sein.
Christoph Barnbrock
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