Die vielfältigen Kommunikationsmöglichkeiten unserer Zeit bringen es mit sich, dass das Telefonieren außer Mode gerät. Fast jede(r) hat ein mobiles Telefon bei sich – aber zum Telefonieren wird es nur selten genutzt. Längst haben geschriebene Kurztexte und Sprachnachrichten das Telefonat ersetzt.
Ich kenne auch einige Menschen, die sich inzwischen explizit schwertun mit dem Telefonieren. Und es ist ja tatsächlich auch gar nicht ohne zu telefonieren. Man weiß nicht, wo und wie man den anderen antrifft, wenn man anruft. Und wenn es ein klassisches Telefonat ist und kein Videocall, dann bleibt mir auch einiges von der Körpersprache des anderen verborgen, die doch nicht unwesentlich für die Kommunikation ist. Das kann schon Unsicherheiten auslösen.
Aus meiner Kindheit erinnere ich mich noch an ein Comic mit der Frage nach Gottes Telefonnummer. Und die Antwort war 5015. Warum? Weil in Psalm 50,15 zu lesen ist:
»[R]ufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, und du sollst mich preisen.« (Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).
Ganz offensichtlich ist das ein Wortspiel mit dem mehrdeutigen Begriff »Anrufen«. Und doch ist das Bild durchaus zutreffend, wenn es uns daran erinnert, dass Gott im Gebet jederzeit für uns erreichbar ist. Bei ihm ist nie besetzt. Es geht auch keine Mailbox ran. Sondern wir haben immer einen direkten und persönlichen Draht zu ihm.
Allerdings gibt es auch manche Menschen, die sich mit dieser Art von »Anruf« schwertun. Vielleicht aus ähnlichen Gründen wie beim Telefonieren. Es kann eine Herausforderung sein, uns an jemanden zu wenden, den wir nicht sehen können.
Wenn ich mich mal aufgerafft habe und einen Freund oder ein Familienmitglied angerufen habe, bin ich im Nachhinein fast immer dankbar für den Austausch. Es war gut, dass ich meine inneren Hemmungen überwunden habe und wir miteinander geredet haben. Es war eine Bereicherung. Es war schön, die Stimme des anderen zu hören und auch von mir und meinem Ergehen zu erzählen.
Ähnlich ist es mit dem Gespräch mit Gott. Meiner Erfahrung nach lohnt es sich, auf Gottes Stimme in der Bibel zu hören, ihm im Gebet von mir, von meinen Freuden und Nöten zu erzählen, und zu wissen: Da ist jemand, der mich versteht und der bedingungslos für mich da ist und mich liebt.
»Ruf doch mal an!« Mit diesem Slogan warb die Post lange Zeit für die Nutzung des Telefons. »Ruf doch mal an!« – Das ist auch eine heilsame Erinnerung daran, das Gebet nicht aus dem Blick zu verlieren!
Christoph Barnbrock
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