Zu den Gefühlen, die unsere Zeit prägen, gehört die Zukunftsangst. Das Gefühl ist nicht neu. Schon in früheren Jahrhunderten wird ein Bauer, der seine Ernte aufgrund von Unwetter verloren hat, Zukunftsangst gehabt haben. Wie sollen wir über den Winter kommen? Woher das Getreide für die Saat im nächsten Jahr nehmen?

Und Chronisten der jüngeren Geschichte beschreiben etwa die 80er-Jahre des 20. Jahrhunderts, also die Zeit meiner Kindheit, als ein »Jahrzehnt der Angst«. Irgendwie alles nichts neues also, dass viele Menschen mit Sorgen und Angst auf das schauen, was da kommen mag.

Was neu ist, ist vielleicht, dass unsere Ängste durch die Reflexionen in den medialen Echokammern unserer Zeit, vor allem im weltweiten Netz, unendlich vervielfacht zu uns zurückschallen. So entsteht das Gefühl der Dauerpräsenz und der Unentrinnbarkeit dieser Ängste und dessen, was sie auslöst.

Nun gibt es manch guten Grund dafür, nicht überoptimistisch in die Zukunft zu schauen. An vielen Ecken und Enden der Welt warten riesige Herausforderungen auf uns als Menschheitsfamilie. Und die Veränderungsprozesse, die wir in Gesellschaft und Kirche erleben, sind zum Teil so rasant und tiefgreifend, dass tatsächlich auch nicht in jedem Fall aus menschlicher Perspektive absehbar ist, ob das alles zu einem guten Ende führen wird.

In solchen Momenten erlebe ich in besonderer Weise die Gebrochenheit dieser Welt und meines eigenen Lebens. Es sind die Folgen dessen, was die Bibel Sünde nennt. Es gelingt uns nicht, das Leben, das Miteinander und die Welt so zu gestalten, dass es zu einem fairen Ausgleich der Interessen und dessen kommt, was jeweils gut und nötig ist. Die Welt und diejenigen, die auf ihr Leben, sind auch nicht einfach umfassend gut.

Und in aller Angst verbirgt sich dann auch mein Kleinglaube, vielleicht sogar auch immer wieder mein Unglaube, dass ich insgeheim schon mit der Option abgeschlossen habe, dass Gott tatsächlich noch einmal grundsätzlich eingreifen könnte.

Umso wichtiger, mich von Gott selbst immer wieder daran erinnern zu lassen, dass meine Fixierung auf meine eigenen Unmöglichkeiten und die meiner Zeit und Welt ungesund ist – für mich und meinen Glauben. Es ist gut und es tut mir gut, mich in allem, was mir das Herz schwer macht, an Worte zu erinnern, mit denen Gott schon in früheren Zeiten die getröstet hat, die für sich und die Ihren keine Zukunft sahen – etwa mit Blick auf das Exil in Babylon, als Menschen ihre Heimat verloren hatten und keine Perspektive mehr für ihr Leben und das Leben ihrer Nachkommen hatten. Und mittenrein in alle Zukunftsangst spricht Gott:

»[…] es gibt eine Hoffnung für deine Zukunft, spricht der HERR: Deine Kinder sollen wieder in ihre Heimat kommen« (Jeremia 31,17, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).

Worte, die die Starre durchbrechen. Worte, die Mut machen. Worte, an denen ich mich festhalten kann. Worte, die mich halten.

Christoph Barnbrock


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