Manchmal führt mich meine Arbeit in durchaus überraschende Kontexte. So landete ich, ohne es vorher recht zu wissen, im Rahmen eines Referentenabends bei einem Kongress in einer Führung durch einen Weinkeller und einer anschließenden Weinprobe.
Und wie es immer so ist: Man wird nicht dümmer durch das, was man da erfährt. So war mir durchaus bekannt, dass bestimmte Weine (wie auch Whisky) in sogenannten »Barrique«-Fässern gelagert wird. Aber warum sie so heißen, habe ich tatsächlich erst im Kontext dieser Führung erfahren. Dies hat damit zu tun, dass solche Fässer 1830 im Rahmen der Julirevolution als Barrikaden dienten.
Der Wein als Barrikade – das ist doch mal was! (Nun gehört zur ganzen Wahrheit dazu, dass offenbar die Weinfässer damals mit Erde befüllt wurden, um als Barrikaden zu dienen – aber darüber gehen wir jetzt einfach einmal stillschweigend hinweg, denn:) Ich bin gedanklich beim Abendmahlswein gelandet und dabei, dass und wie dieser sich tatsächlich auch als »Barrikade« verstehen lässt.
Von diesem Wein sagt Jesus Christus ja: »das ist mein Blut des Bundes, das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden« (Matthäus 26,28, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).
Und ich erinnere mich daran, dass mir immer wieder einmal manches schwer auf dem Herzen liegt: Schuld, Sünde, Situationen, in denen ich meiner Verantwortung nicht gerecht geworden bin, Momente, in denen mein Gottvertrauen wie weggeblasen war. Und manches davon kann einen auch verfolgen, kann einem wie ein Feind gegenüberstehen.
Dann aber dieses Wort: Der Wein – das Blut Christi – vergossen zur Vergebung der Sünden. Wie eine Barrikade türmt sich das Abendmahl vor mir auf. Ich kann mich dahinter bergen und weiß: Es ist alles gut, es ist alles vergeben. Was es auch an berechtigter Kritik, an Beschuldigungen, an Gedankenkreisen gibt, die mich und mein Handeln in Frage stellen. Nichts davon kommt durch zu mir. Ich bin geborgen. Denn es ist alles vergeben. Der Wein – das Blut Christi – als Barrikade.
Christoph Barnbrock
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