Es gibt Situationen, auf die ich im Nachhinein blicke und bei denen ich mich frage: »Was um alles in der Welt ist denn da bitte in mich gefahren, dass ich mich so verhalten habe?« Im Rückblick bin ich mir selbst fremd. Ich wundere mich, bisweilen schäme ich mich. Und es kommt mir vor, als wäre ich nicht ganz ich selbst gewesen.
Das mit dem »Ich selbst«-Sein ist natürlich so eine Sache. Leider gehören ja auch die Seiten, die ich an mir nicht mag, zu mir. Vielleicht kann ich manches davon immer wieder geschickt überspielen. Die eine oder andere negative Charaktereigenschaft habe ich im Normalfall auch ganz gut im Griff. Meistens, aber eben auch nicht immer.
»Was ist denn da in mich gefahren?« Diese Frage beschreibt ein Gefühl, dass ich mich selbst eben nicht immer unter Kontrolle habe und auch Prägungen, Einflüsse oder Triggerpunkte auf mich wirken, die mich dann ganz anders reagieren lassen, als ich mir das am »grünen Tisch« vorgestellt hätte.
In der Bibel gibt es Gegengeschichten zu dem »Was ist denn in mich gefahren?«, nämlich Geschichten vom »Ausfahren« von Dämonen. Wahrscheinlich gehören diese Wundergeschichten zu denen, die für uns heute am schwierigsten zu verstehen und nachzuvollziehen sind. Die Phänomene, die sie beschreiben, liegen irgendwo zwischen psychiatrischen Krankheitsbildern und spirituellen Erfahrungen, die zumindest in den Industrienationen rar sind.
Eins zu eins kennen wir solche Situationen, wie sie in der Bibel beschrieben werden, vielleicht nicht. Aber dass immer wieder einmal auch etwas Macht über mich gewinnt, was nicht gut ist und was mich in einer Weise in Beschlag nimmt, wie es weder mir noch anderen guttut, das erlebe ich eben doch immer wieder: »Was ist da bloß in mich gefahren?«
Wie gut, dass ich auch in solchen Situationen mit all dem nicht allein bleibe, sondern ich in der Ausrichtung auf Jesus Christus immer wieder auch zu Vergebung und neuer Freiheit finde. Zu hören, dass Jesus sich angesichts dessen nicht einfach kopfschüttelnd abwendet, sondern er selbst dafür sorgt, dass Menschen gerade das überwinden.
Ich erinnere mich an die Frau, die für ihre Tochter bittet, und von Jesus hört: »Um dieses Wortes willen geh hin, der Dämon ist aus deiner Tochter ausgefahren. Und sie ging hin in ihr Haus und fand das Kind auf dem Bett liegen, und der Dämon war ausgefahren.« (Lukas 7,29, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).
So lohnt es sich, umgekehrt auch immer wieder darauf zu gucken, in welchen Situationen das, was mich üblicherweise anfasst, mich ungehalten und unfair reagieren lässt, eben auch nicht mehr Macht über mich gewinnt. Zu staunen, dass ich manchmal auch ruhig, gelassen und liebevoll reagieren kann, wo Aufbrausen und Ärger eigentlich naheliegend wären. Da würde sich glatt dieselbe Frage nahelegen: »Was ist denn da in mich gefahren?« – Und die Antwort läge auf der Hand: Der Heilige Geist.
Christoph Barnbrock
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