Vor ein paar Tagen blieb ich beim Nachdenken in meinem Büro an einem Buch mit dem Titel »Jenseits« hängen. Wenn ich mich richtig erinnere, geht es in diesem Buch um verschiedene Jenseitsvorstellungen und wie sie sich im Laufe der Zeit verändert haben.

Beim Weiterdenken ging es mir dann allerdings weniger um den Inhalt des Buches als um dieses merkwürdige Wort »Jenseits«. Eigentlich ist es ja schlicht und ergreifend eine Präposition: Die Kirche liegt jenseits der Bundesstraße. Oder: Das zu erreichen, liegt jenseits meiner Fähigkeiten. Damit drückt dieses Wort »jenseits« immer eine Distanz aus. Etwas ist nicht in der Nähe, also »diesseits« einer Grenze, sondern eben »jenseits«, durch etwas von mir getrennt.

Wenn Christinnen und Christen das substantivierte Wort »Jenseits« für den »Himmel«, das »ewige Leben« oder das »Reich Gottes« verwenden, dann ist die Grenze, die das »Diesseits« vom »Jenseits« trennt, offensichtlich der Tod. Und dieser ist ja auch tatsächlich der Einschnitt, der im Leben und Erleben von Menschen am tiefsten reicht und am schmerzlichsten erfahren wird.

Und spätestens wenn wir es im Leben schwer haben, wir mit Tod, Krankheit, Ängsten, Sorgen, wirtschaftlicher Not oder Streit zu tun haben, wird uns ja auch schmerzlich bewusst, dass es eine ganze Menge gibt, was wir im »Jenseits« gerne einmal hinter uns lassen würden. So gesehen funktioniert dieses Denken von »Diesseits« und »Jenseits«.

Was allerdings nicht funktioniert, ist, das »Jenseits« gewissermaßen zum Wohnort Gottes zu erklären: Ein Ort, weit entfernt von uns. Bei Gott und in Gott und mit Gott verschwimmen die Dimensionen von »Diesseits« und »Jenseits«. Er ist nicht fern – jenseits dieser Welt, sondern bei uns – diesseits. Wo Gott ist, bricht das »Jenseits« schon ins »Diesseits« hinein. Da ist mit einem Mal eine Brücke von hier nach dort zu sehen. Das neue Leben beginnt bereits im alten. Und die Erwartung des »Jenseits« weitet mein Hoffen und mein Glauben schon im »Diesseits«. Und so wird etwa die Überwindung des Todes, die deutlich jenseits aller meiner Möglichkeiten liegt, schon im Diesseits zu einer gewissen Hoffnung.

Jesus Christus spricht: »Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Es kommt die Stunde und ist schon jetzt, dass die Toten hören werden die Stimme des Sohnes Gottes, und die sie hören, die werden leben.« (Johannes 5,25, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).

Christoph Barnbrock


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