Eine Reihe von Menschen tun sich heute schwer mit dem Beten. Oft liegt es daran, dass sie es nicht gelernt haben oder die Formen, mit denen sie aufgewachsen sind, ihnen zunehmend fremd erscheinen.
Manchmal sind es feste Gebetsworte, die vertraut geworden sind und ein Leben lang durchtragen. Aber bisweilen ergibt sich auch eine Fremdheit dabei: Das sind nicht mehr meine Worte. Und genauso kann es bei freien Worten des Gebets sein. Manch einer hat eine solche Art zu beten nicht kennengelernt. Andere erkennen gerade darin ihre Art und Weise, mit Gott zu reden. Und wieder andere, die mit dieser Art des Betens aufgewachsen sind, erleben es neu als Entlastung für sich, wenn sie nicht immer selbst Worte finden müssen, sondern auch auf geprägte Formulierungen zurückgreifen können.
Manch einer oder eine hat aber auch eine grundsätzliche Schwierigkeit mit dem Beten: »Ich würde ja gerne beten, aber irgendwie finde ich nicht dazu.« Wie aber beten, wenn man es nicht kann? – Naheliegend wäre es, auf das Vaterunser zu verweisen, mit dem Jesus seinen Jüngern das Beten beigebracht hat, als sie ihn darum baten. Ganz offensichtlich ist das Phänomen nicht neu, dass Menschen Nachhilfe beim Beten brauchen.
Aber vielleicht lohnt es sich auch, noch einen Schritt zurückzugehen und zu fragen, wann das Beten beginnt. Erst dann, wenn ich die Hände falte oder zusammenlege oder sonst eine Gebetsgeste mache? Erst dann, wenn ich ein Gebetbuch aufschlage? Erst dann, wenn ich meine Worte mit einem »Amen« abschließe?
Die Bibel weist uns darauf hin, dass das Phänomen »Gebet« schon viel früher beginnt, nämlich dann, wenn seine Menschen seufzen (und gewiss auch, wenn sie vor Freude juchzen). Schon hier hat Gott ein Ohr bei uns und unserem Ergehen, nimmt wahr, was uns seufzen lässt oder vor Freude quietschen lässt. Es sind ungesprochene Gebete, die trotzdem bei Gott »ankommen«. Und es ist völlig in Ordnung, wenn sie bisweilen einfach so »sprachlos« sind: Seufzer oder Jubellaute. Und zu anderen Gelegenheiten dürfen sich dann gerne auch wieder Worte zu unserem Begeisterungsäußerungen oder unserem Seufzen gesellen: frei oder geprägt.
»›Weil die Elenden Gewalt leiden und die Armen seufzen, will ich jetzt aufstehen‹, spricht der HERR, ›ich will Hilfe schaffen dem, der sich danach sehnt.‹« (Psalm 12,6, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).
Christoph Barnbrock
Entdecke mehr von Team Gott
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.
