In diesen Tagen ist mit Dolly Parton eine der Größen der US-amerikanischen Country- und Pop-Musik gestorben. Sie gehörte nicht zu denen, von denen ich mir als Jugendlicher oder junger Erwachsener eine CD gekauft hätte. Trotzdem sind mir einige ihrer Lieder – wie etwa »Jolene« – vertraut.

Gerade weil sie mir als Musikerin gar nicht so nahe war, habe ich mich gewundert, was für eine große Resonanz ihr Tod sogar in Deutschland ausgelöst hat. Ihre Person hat doch mehr Menschen auch hierzulande bewegt, als ich gedacht hätte.

So habe ich es zum Anlass genommen, ein wenig genauer hinzuschauen, wer sie war und was sie so an Musik gemacht hat. Im Wahrnehmen ihres Lebens und ihres Schaffens habe ich dann entdeckt, dass es in ihrem Werk etliche ausdrücklich explizit religiöse Lieder gibt, dieses etwa:

Es ist eine lupenreine Nacherzählung der Ostergeschichte aus der Perspektive des Petrus nach Johannes 20. Die erste Strophe beschreibt die Angst der Jünger hinter verschlossenen Türen: Werden die Soldaten sie am nächsten Tag womöglich finden und die Türen aufbrechen?

In der zweiten Strophe hört das »Ich« des Liedes, also Petrus, dann in der Frühe des Morgens Geräusche am Tor. Ist es tatsächlich so weit? Sind die Soldaten gekommen, um sie zu holen?

In der dritten Strophe klärt sich dann, dass es nur Maria war, die vor der Tür stand. Petrus und Johannes lassen sie hereinkommen – und Maria erzählt: Davon, dass der Leichnam nicht mehr da ist, dass er weggebracht sein muss – und dass der Stein vom Grab gerollt war.

Die vierte Strophe berichtet schließlich vom Wettlauf der beiden genannten Jünger zum leeren Grab, der zunächst in Ratlosigkeit endet: »And how or where they’d taken Him / Was more than I could tell« (»Und wie oder wohin sie ihn weggenommen hatten / überstieg das, was ich erklären konnte«).

Die fünfte Strophe kontrastiert dann das Erleben der beiden Jünger angesichts des Ostergeschehens: »John believed a miracle / But I just turned to go / Circumstance and speculation / Couldn’t lift me very high / Cause I’d seen them crucify Him / Then I saw Him die« (»Johannes glaubte an ein Wunder, / ich aber wandte mich einfach um, um zu gehen / Umstände und Spekulationen: / Das alles hat mich nicht beflügelt. / Denn ich hatte gesehen, wie er gekreuzigt wurde. / Und dann sah ich, wie er starb.«)

Die Niedergeschlagenheit ist dann auch der Grundton, der die sechste Strophe durchzieht, bevor es in der siebten und achten Strophe zur Begegnung mit Jesus hinter verschlossenen Türen kommt. Das Lied endet dann mit einem in Varianten immer wiederkehrenden jubelnden »He’s alive« (»Er lebt!«).

Es ist schwer vorstellbar, dass im deutschen Kontext einer der Rock- oder Popstars eine solche Osternacherzählung auf eine seiner Platten aufnimmt. Und trotzdem erinnert eine solche populäre Nacherzählung der Ostergeschichte, wie sie Dolly Parton hier (in Aufnahme einer Vorlage von Don Francisco) vorgelegt hat, daran, dass die Auferstehungsbotschaft nicht einfach nur hinter Kirchenmauern gehört, sondern in die Welt hinaus erzählt und gesungen werden will. Und das Lied macht in seiner Erzählung deutlich, wie packend und überwältigend diese Erzählung immer wieder neu wirkt, gerade wenn wir sie noch einmal in neuen Worten und neuen Klängen hören.

»Er lebt!« – Eine Gewissheit, die auch Dolly Parton im Sterben ein Trost gewesen sein mag – und jetzt für ihre Angehörigen.

»Der Herr ist wahrhaftig auferstanden und dem Simon erschienen.« (Lukas 24,34, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).

Christoph Barnbrock


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