Vor ein paar Tagen waren wir im Konzert des »Duo Stiehler/Lucacio«. Wunderbare Musik in einfacher Besetzung (Keyboard und Saxophon, gelegentlich Gesang). Dazu eine humorvolle, liebe volle Moderation – und das in einem kleinen Club in Frankfurt. Es herrschte Wohnzimmerstimmung.

Zu den originellen Seiten dieses Konzerts gehörte, dass auf der Bühne ein kleiner Postkasten stand. Daneben lagen Zettel und Kulis aus. Und ich rätselte schon die ganze Zeit, was das nun wohl werden mag.

In einer Zwischenmoderation löste sich das Rätsel auf. Die beiden Künstler baten uns als Publikum darum, diese Zettel nach dem Konzert zu beschreiben und in den Postkasten einzuwerfen. Sie würden, so erzählten sie, ja ihre Musik spielen und in die Welt entlassen, ohne dass sie wüssten, was die Musik dann bei jedem und jeder Einzelnen auslöst und bewegt. Auf diesen Zetteln wäre nun Raum, genau das festzuhalten und ihnen ein Feedback zu geben. So hätten sie schon erfahren, dass ihre Musik bei Hochzeiten und Beerdigungen gespielt worden sei, dass sie Menschen in ganz unterschiedlichen Lebenssituationen wichtig gewesen und geworden sei.

Sie würden ja im Wesentlichen Instrumentalmusik machen, und die vom Publikum ausgefüllten Zettel seien so etwas wie der Text zu ihrer Musik. Das, was zur Musik dann aus dem Erleben der Zuhörer dazukomme. Ich finde, das ist eine schöne Idee, das Miteinander von Künstlern und Publikum zu stärken, also nicht einfach nur eine Show abzureißen, sondern wahrzunehmen, dass hier über die Musik eine gemeinsame Geschichte entsteht.

Irgendwie ist das auch ein schönes Bild für Gottes Miteinander mit uns Menschen. Er hat uns das Leben geschenkt – und viel Gutes, das wir Tag für Tag neu aus seiner Hand nehmen. Er hat uns die Musik unseres Lebens geschenkt. Und auch wenn er gewiss nicht darauf angewiesen ist, dass wir ihn darüber informieren, wie es uns im Einzelnen geht, freut er sich auch darüber, wenn wir ihm erzählen, wie es uns mit und in unserem Leben geht, was die Musik des Lebens, die ihr uns geschenkt hat, mit uns macht, was uns anrührt, was uns beschäftigt, was uns tanzen lässt: eben das Leben in Dur und Moll. Im Zusammenspiel von Musik und Feedback bleibt die Gemeinschaft lebendig. Ein schönes Bild für das, was Gebet ist und sein kann.

»Ich will dem HERRN sehr danken mit meinem Munde und ihn rühmen in der Menge.« (Psalm 109,30, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).

Christoph Barnbrock


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