Neulich war ich in Stuttgart unterwegs und gönnte mir, weil ich etwas früh dran war, schon in der Fußgängerzone einen Mittagsimbiss. Während ich aß, fiel mein Blick auf einen ungewöhnlichen Wegweiser. Dieser bestand nicht aus Metalleinheiten in Pfeilform, sondern hier fanden sich die Angaben auf LED-Anzeigen. So wurden insbesondere Ausstellungen in Museen beworben – mit Hinweisen zu Öffnungszeiten und zur Wegstrecke, die bis dorthin zurückzulegen ist.
»Willkommen im 21. Jahrhundert«, dachte ich mir. Das hatte ich so noch nicht gesehen. Andererseits ist das ja auch pfiffig, weil es für solche wechselnden Veranstaltungen sonst keine guten Möglichkeiten gibt, sie mit einem Wegweiser zu bewerben.
Nun passierte aber etwas Interessantes. Ich aß weiter gedankenversunken an meinem Essen herum, dachte noch etwas über diesen Wegweiser eigener Art nach, und blickte wieder hoch, weil ich auch inhaltlich an einer der dort beworbenen Veranstaltung hängen geblieben war. Und nun wollte ich noch einmal nachgucken, ob ich mir den Titel richtig gemerkt hatte. Aber als ich wieder hochguckte, musste ich feststellen, dass es diesbezüglich nichts mehr zu sehen gab. Die einzelnen Pfeile hatten ihre Richtung gewechselt und wiesen nun auf ganz andere Veranstaltungen hin. Wenn ich jetzt also wissen wollte, wie ich zu der Ausstellung kommen würde, die mich gerade noch interessiert hatte, hatte ich Pech gehabt. Keine Informationen mehr. Und es dauerte tatsächlich eine ganze Weile, bis sich die Pfeile wieder so verändert hatten, dass die für mich relevanten Informationen wieder angezeigt wurden.
In gewisser Weise mag dies tatsächlich auch ein Symbol für allgemeine Orientierungsversuche in unserem Leben sein. Uns ist völlig klar, dass wir uns angesichts neuer Herausforderungen und Gegebenheit neu orientieren müssen. Fragen des Umgangs mit den Ressourcen unserer Erde etwa stellen sich heute anders als im 17. Jahrhundert. Da ist Beweglichkeit im Kopf dringend nötig, uns auch auf neue Herausforderungen einstellen zu können. Andererseits können wir uns auch leicht wie im Karussell vorkommen, wenn gefühlt alles sich ändert und nichts mehr feststeht – wenn auch das, was mich interessiert, was mir wichtig ist, auftaucht und verschwindet, ich aber nirgendwo mehr Halt finde.
Bei allem Mitgehen durch die sich verändernden Zeiten, gibt es von Gott her die Zusage, dass sein Wort und seine Orientierung stabil bleiben:
»HERR, dein Wort bleibt ewiglich, so weit der Himmel reicht; deine Wahrheit währet für und für. Du hast die Erde fest gegründet, und sie bleibt stehen.« (Psalm 119,89f., Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).
Christoph Barnbrock
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