Auf einer meiner Fahrten in den letzten Tagen hörte ich im Auto einen geistlichen Morgenimpuls. Der war gut gemacht. Schöne Wortspiele, die ich mag. Aspekte des christlichen Glaubens noch einmal von einer anderen Seite beleuchtet. Dazwischen Musik, die mir die Gelegenheit gegeben hat, einzelnen Gedanken noch nachzuhängen. Bei vielem konnte ich gut mitgehen und habe das, was ich gehört habe, auch als Bereicherung erlebt.
An einer Stelle bin ich allerdings hängen geblieben – und zwar da, wo wiederholt die Rede davon war, wir könnten »von Gott Gebrauch machen«. Zunächst einmal klang das wie eine schöne Ermutigung, Gott, der uns so viel zu bieten hat, nicht aus dem Blick zu verlieren. Aber irgendwie lag die Formulierung quer in meinen Ohren. Warum?
Ich habe überlegt, wovon ich sonst so im Leben »Gebrauch mache«. Ich mache Gebrauch vom Staubsauger, wenn der Fußboden dreckig ist. Oder ich gebrauche den Backofen, wenn ich einen Auflauf zubereiten will. Aber würde ich so von Freunden oder meiner Frau reden? – Ich mache »Gebrauch von meinen Freunden«? Ich mache »Gebrauch von meiner Frau«? Nein, so könnte und so wollte ich nicht von Menschen reden, die mir lieb sind.
»Gebrauch machen«. Das klingt nach An- und Ausschalten, wie es gerade passt. Da schwingt mit, dass ich jemanden nutze – vielleicht auch ausnutze. Und selbst wenn Menschen davon reden, dass sie von ihren »guten Connections Gebrauch machen«, um eine neue Stelle zu bekommen, haftet dem doch irgendwie auch ein Hauch von Vetternwirtschaft und damit etwas Unschönes an.
Ich möchte nicht »von Gott Gebrauch machen«. Er ist kein »Ding«, das ich bei passender Gelegenheit aus der Abstellkammer hole, es nutze, wenn ich es brauche, um es dann wieder wegzuräumen. Sondern Gott ist tatsächlich ein personales Gegenüber, jemand, mit dem ich reden kann, darf und soll. Der redet und dem ich antworte. Einer, der wie eine wichtige Person in meinem Leben nicht nur dann ins Spiel kommt, wenn ich ihn gebrauchen will.
Gott ist eben nicht ein Ding – von Menschen gemacht, sondern wirklich ein Gegenüber. Und wie gut, dass es nicht nur darauf ankommt, wann ich ihn einmal hervorhole, sondern dass er sich auch selbst von sich aus in mein Leben einschaltet, mir manchmal irritierend, im Kern – und das erkenne ich an Jesus Christus – aber heilsam begegnet.
»Denn er [unser Gott] ist ein lebendiger Gott, der ewig bleibt, und sein Reich ist unvergänglich, und seine Herrschaft hat kein Ende.« (Daniel 6,27, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).
Christoph Barnbrock
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