Der Geschmack des Todes

Die Fahrt in unseren letzten Frankreichurlaub zog sich. Und wie das so ist, schaue ich aus dem Fenster und lasse die Landschaft an mir vorübergleiten. Selektiv nehme ich dieses oder jenes wahr. Und so bleibe ich an einem architektonisch durchaus ansprechenden Gebäudekomplex hängen: mit einem in Orange gehaltenen runden Gebäude im Zentrum

Von dem, was ich auf die Schnelle wahrnehmen und mit meinen äußerst begrenzten Französischkenntnissen mir erschließen kann, meine ich, dass es sich dabei um ein Krematorium handeln muss. Irgendwie was mit »Crém…«. »Mensch«, denke ich so bei mir, »ganz schön schick für so ein schnödes Krematorium!«

Auf der Rückfahrt kommen wir wieder an derselben Stelle vorbei und ich schaue dieses Mal etwas genauer hin. Und ich stolpere gedanklich über das Wort »dégustation«, das – so viel Französisch kann ich dann doch schon – »Verkostung« heißt und auf diesem Gebäudekomplex ebenso zu lesen ist. Und für einen Moment bin ich reichlich verwirrt. Was ist denn das Makabres? Was um alles in der Welt gibt es denn bitte in einem Krematorium zu kosten bzw. zu verkosten? Igitt!

Des Rätsels Lösung liegt natürlich im Namen des Ganzen. Als ich noch einmal hinschaue, entdecke ich, dass in großen Buchstaben keineswegs »Crémation de Bourgogne« (also »Kremation aus dem Burgund«) steht, sondern »Crémant de Bourgogne« (also »Schaumwein aus dem Burgund«). Und schon machte das mit der Verkostung auch schon deutlich mehr Sinn.

Und so schmunzelte ich in mich hinein und dachte noch ein wenig darüber nach, ob es überhaupt so etwas wie einen »Geschmack des Todes« gibt, um schließlich bei Jesu Zusage zu landen:

»Wer mein Wort hält, der wird den Tod nicht schmecken in Ewigkeit.« (Johannes 8,52, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).

Christoph Barnbrock


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