Wir befinden uns in einer Zeit, in der die Schokoladenindustrie wieder Hochkonjunktur hat. Schokoeier und Schokohasen sind verschenkt, gesucht und gefunden worden. – So, wie in der Advents- und Weihnachtszeit Schokonikoläuse, schokoladenüberzogene Lebkuchen und andere Schokoprodukte die Regale füllten.

Ich bin dankbar, dass Jesusdarstellungen bislang (weitgehend?) von der Schokoladisierung verschont geblieben sind. Jedenfalls gehören Schokokrippen oder Schokodarstellungen des Auferstandenen nicht zum Sortiment des lokalen Supermarktes.

Das Motiv des »Schokoladenjesus« hat Tom Waits allerdings schon vor Jahren in seinem (vielfach gecoverten) Song »Chocolate Jesus« aufgegriffen, hier in einer Version von Satuo:

In diesem Lied hat jemand eine besonders pfiffige Idee entwickelt. Das mit dem Zur-Kirche-Gehen, das mühsame Hinknien zum Gebet und die intensive Beschäftigung mit der Bibel hat er längst hinter sich gelassen. Seine »Kirche« ist der örtliche Süßwarenladen. Dort findet er, was er braucht:

»Well, it’s got to be a chocolate Jesus / Make me feel good inside / Got to be a chocolate Jesus / Keep me satisfied« (»Na ja, es muss einfach ein Schokoladen-Jesus sein / Der mir ein gutes Gefühl gibt / Es muss einfach ein Schokoladen-Jesus sein / Der mich glücklich macht«).

Vom Glauben an Jesus Christus bleibt dann gerade noch das übrig, was »mir ein gutes Gefühl gibt«. Der in Zellophan gewickelte Erlöser, der sich bei Bedarf als zuckersüße Zugabe über einen Becher Eis geben lässt, wird so zum Inbegriff einer Frömmigkeit, die bestenfalls schmückendes Beiwerk eines Lebens ist.

Wenn wir bei uns entdecken, dass wir doch wieder vor »Zerelda Lee’s Candy Store« stehen und uns nach einem Schokoladenjesus umsehen, ist es dringend nötig, die Prioritäten im Leben noch einmal neu zu ordnen und zu sortieren. Jesus Christus, der Glaube, das Reich Gottes – all das ist oder sollte jedenfalls nicht nur schmückendes Beiwerk sein, nicht etwas, zu dem ich greife, um mich kurz gut zu fühlen, sondern all das gehört ins Zentrum unseres Lebens, wie Jesus selbst es sagt:

»Strebt vor allem anderen nach seinem Reich und nach seiner Gerechtigkeit – dann wird Gott euch auch das alles schenken [= was ihr sonst zum Leben braucht].« (Matthäus 6,33, BasisBibel, © Dt. Bibelgesellschaft).

Christoph Barnbrock


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