Ein Bild des Todes oder des Lebens?

In Oslo kann gibt es eine Statue mit Namen »Cecilie«, mit der eine dreifache Mutter dargestellt ist, die an Brustkrebs erkrankt ist und die dieser Krankheit auch erlegen ist. Auf der Skulptur sind Operationsnarben zu sehen, die von einer Brustentfernung stammen. Die Frau ist gezeichnet von ihrer Erkrankung, und die tödliche Krankheit gewinnt mit dieser Darstellung so Raum in der Öffentlichkeit.

Was soll das, einen todkranken Menschen so öffentlich darzustellen? – Auf der Homepage des Projekts wird die portraitierte Person, Cecilie Flatval, mit folgenden Worten zitiert:

»Death comes at some point during our lives. That’s just how it is, and I’ve always thought that death is a natural part of life, and something we should talk about a lot more. To disarm death in a way. But I know that death can be a challenging subject. A part of the reason why I said yes to be portraited, was to disarm death. Make it safe to talk about.« (»An irgendeinem Punkt unseres Lebens kommt der Tod. Das ist, wie es ist, und ich habe immer gedacht, dass der Tod ein natürlicher Teil des Lebens ist, etwas, worüber wir viel mehr reden sollten. Um den Tod in einer bestimmten Weise zu entwaffnen. Ich weiß, dass der Tod ein herausforderndes Thema sein kann. Und einer der Gründe, warum ich einem solchen Portrait zugestimmt habe, war, den Tod zu entwaffnen. Dass es sicher wird, darüber zu reden.«)

So lädt die Statue sich auch dazu ein, diese Krankheit nicht zu verdrängen, sondern sie bewusst wahrzunehmen – und damit kann sie gleichzeitig auch eine Hilfe sein, Leben zu retten, wenn Frauen sie zum Anstoß nehmen, entsprechende Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch zu nehmen.

So ist die Statue in gewisser Weise ein Bild des Todes, das den Tod entwaffnet und letztlich zu einem Bild des Lebens wird.

Nun wäre es unpassend, diese Statue in ihrer Funktion und Bedeutung unmittelbar mit Kreuzesdarstellungen vergleichen zu wollen. Und doch gibt es Berührungspunkte, die unübersehbar sind. Auch an Kreuzesdarstellungen nehmen einige Menschen ja Anstoß und fragen sich, warum ein solches Bild des Todes im öffentlichen Raum sichtbar sein sollte.

Aber auch hier geht es am Ende eben nicht darum, vor dem Tod zu erstarren, sondern darum, dass Jesus Christus den Tod entwaffnet hat – und das in einer noch viel grundsätzlicheren Weise. Und wer sich von diesem Bild des Gekreuzigten berühren lässt, wer wahrnimmt, dass es in uns Menschen eine Krankheit der Gottentfremdung gibt, die geheilt werden kann und die von Christus geheilt worden ist, der findet in ihm eben auch zu neuem, zu ewigem Leben.

Jesus Christus, »der unsre Sünden selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr heil geworden.« (1. Petrus 2,24, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).

Christoph Barnbrock


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