Ruhe und Unruhe gehören zum Leben dazu. Dabei wird »Ruhe« für gewöhnlich positiv wahrgenommen: Ich kann ausruhen, zur Ruhe kommen, die Ruhe genießen. »Unruhe« dagegen kommt eher als etwas Negatives in den Blick, wenn von »Unruhestiftern« die Rede ist, ich »unruhig« auf- und abgehe und ich rast- und ruhelos bin. Zwar gibt es auch so etwas wie eine kreative Unruhe, die mich dazu bringt, etwas zu erschaffen, was ich nicht täte, würde ich einfach ruhig dasitzen. Aber solche positiven Verwendungen des Wortes »Unruhe« sind doch eher selten. Unruhe ist am Ende eben doch eher etwas, was wir als belastend wahrnehmen.

Gleichzeitig ist »Unruhe« so etwas wie ein Grundphänomen unserer Zeit. Vielen fällt es schwer, einmal richtig zur Ruhe zu kommen. Es gibt so viel Ablenkung, so viele neue Impulse – wann immer ich auf mein Handy oder auf meinen Computer schaue. Da fällt es schwer, dass die Gedanken einmal zur Ruhe kommen. Stattdessen springe ich gedanklich von einer Sache zur nächsten und von einem Problem zum nächsten.

Dabei ist das Phänomen der Unruhe nicht neu. Schon in den Psalmen wird solche Ruhelosigkeit beklagt. Da betet einer (Asaf):

»Meine Augen hältst du, dass sie wachen müssen; ich bin so voll Unruhe, dass ich nicht reden kann.« (Psalm 77,5, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).

Was hier beschrieben ist, kennen viele. Schlaflose Nächte, weil ich nicht zur Ruhe komme – eine Unruhe, die mich dann auch tagsüber so mit mir selbst beschäftigt, dass es mir schwer fällt, mich wirklich auf ein Gespräch mit anderen einzulassen.

Ich finde es immer außerordentlich tröstlich, in der Bibel Spiegelungen meines eigenen Ergehens zu finden – gerade auch meines Erlebens in dunklen Zeiten. Dann merke ich: Ich bin eben nicht der erste oder der einzige Mensch, dem es so geht. Es ist auch nicht an und für sich ein Defizit meines Christseins. Sondern ich darf mich zu den anderen Glaubenden der letzten Jahrtausende stellen, denen es ganz ähnlich ging wie mir.

Der Psalmbeter Asaf findet (mindestens) zwei Umgangsformen mit seiner Unruhe. Das Erste: Er macht die Unruhe nicht mit sich selbst aus, sondern bringt sie im Gebet vor Gott. Das hilft, nicht alleine damit zu bleiben, sondern dieses Gefühl mit einem anderen, mit Gott, zu teilen. Und das Zweite: Er bricht die Erfahrung der Unruhe dadurch auf, dass er sich an Zeiten erinnert, in denen Gott geholfen hat:

»Darum gedenke ich an die Taten des HERRN, ja, ich gedenke an deine früheren Wunder und sinne über alle deine Werke und denke deinen Taten nach.« (Psalm 77,12f.)

In der Erinnerung an das Gute, das Gott in der Vergangenheit getan hat, gewinnt der Beter Zuversicht und Ruhe für die Gegenwart. Auch für uns ein gutes Mittel, mit unruhigen Herzen und Gedanken umzugehen: mich zu erinnern, wo ich etwas von Gottes liebevollem Handeln wahrnehmen konnte: angefangen bei meiner Taufe über jeden Gottesdienst, in dem Gott mir heilvoll begegnet, bis zu den vielen Momenten, in denen ich etwas von Gottes Segen in meinem Leben wahrnehmen konnte.

Christoph Barnbrock


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