In Vorbereitung einer Lehrveranstaltung, für die ich etwas suchte, was typische Erfahrungen aus dem Alltagsleben einfängt, bin ich auf dieses Video gestoßen:
Am Ende habe ich diesen Kurzfilm dann gar nicht verwendet, aber er hat mich trotzdem noch begleitet. Der Film hat eine einfache Storyline. Und auch die Botschaft ist für mein Dafürhalten simpel: Menschen begegnen sich nicht mehr als Menschen, sondern werden am Ende auf ihre Funktionen in der Gesellschaft reduziert. Ich bin nicht, wer ich bin. Sondern ich bin nur das, was ich kann. Es kommt nur darauf an, dass ich funktioniere. Als Person bin ich komplett uninteressant. Und am Ende taugt auch der Mensch, der andere bis dahin nur »genutzt« hat, selbst nur noch zum Fußabtreter.
Obwohl der Film vergleichsweise kurz ist, fand ich ihn beim Zuschauen fast unerträglich lang. Zu verfolgen, wie hier die Menschen nicht mehr als ein lebendiges Gegenüber, sondern nur noch als Funktionsträger dargestellt werden, fiel mir schwer. Ich möchte fast rufen: »Nein, so soll es nicht sein!«
Aber der Film würde keine Zuschauerinnen und Zuschauer finden, wenn er nicht doch eine Wahrheit einfangen würde. Da ruft einer den anderen erst dann mal wieder an, wenn er seine Kompetenzen für etwas braucht. Oder wir gehen achtlos an den Menschen vorbei, die als Busfahrer oder Reinigungskraft für uns und in unserer Mitte arbeiten. Aber wissen wir abends noch, wie ihr Gesicht ausgesehen hat?
Mich bewegt immer wieder, wie in den neutestamentlichen Erzählungen davon die Rede ist, dass Jesus die Menschen »sieht«. Für ihn sind sie nicht einfach nur Funktionsträger für seine »Sache«. Sie sind nicht wie Gegenstände, derer er sich bedient. Sondern Jesus sieht den Menschen, der vor ihm steht. Er sieht und begegnet ihm und schafft Heil. Zum Beispiel so:
»Und siehe, eine Frau war da, die hatte seit achtzehn Jahren einen Geist, der sie krank machte; und sie war verkrümmt und konnte sich nicht mehr aufrichten. Als aber Jesus sie sah, rief er sie zu sich und sprach zu ihr: Frau, du bist erlöst von deiner Krankheit!« (Lukas 13,11f., Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).
Bei Jesus Christus bin ich mehr als die Funktion, die ich ausübe – mehr als das, was ich zu leisten vermag. Bei ihm bin ich gesehen, geliebt – und finde Heil.
Christoph Barnbrock
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