Fest und flexibel

Bei einem Spaziergang durch den Wald in der Nachbarschaft fiel mir bei den aufgeschichteten Stapeln gefällter Bäume in besonderer Weise der rote Kern und das ihn jeweils umgebende hellere Holz auf. Hätte ich besser im Biologieunterricht aufgepasst, hätte ich mich im Nachgang nicht im Internet informieren müssen, dass es sich bei dem roten Holz in der Mitte um das Kernholz handelt und bei dem, was dieses heller umschließt, um das Splintholz.

Eine wesentliche Funktion des Kernholzes ist es, dem Baumstamm Stabilität zu verleihen. Aber ein Baum, der nur aus Kernholz besteht, könnte nicht leben, weil Wasser und Nährstoffe im Splintholz geleitet werden. Dieses ist zwar weniger stabil, aber eben nicht weniger wichtig – ganz im Gegenteil.

Denn es gibt, so habe ich gelernt, durchaus Bäume ohne Kernholzbildung wie etwa die Birke. Allerdings weiß ich aus eigener Anschauung in unserem Garten, dass die Birken auch einigermaßen wackelige Gesellen sind und eben nicht die Stabilität mitbringen wie andere Bäume. Und als Bauholz kann Birkenholz deswegen auch nicht verwendet werden. Es ist nicht tragfähig und beständig genug.

Diese Verbindung von Kernholz und Splintholz in einem Baumstamm hat mich wieder einmal über das Leben in christlichen Gemeinden nachdenken lassen. Auch da braucht es ja Unterschiedliches nebeneinander: Das, was über die Jahre und Jahrhunderte gewachsen ist und Halt und Stabilität gibt, und auf der anderen Seite das, was mit dem Leben hier und jetzt zu tun hat. Kernholz und Splintholz eben.

Etwas ähnliches entdecke ich, wenn der Apostel Paulus an die Gemeinde in Korinth schreibt:

»Denn die Predigt von Christus ist unter euch kräftig geworden, sodass ihr keinen Mangel habt an irgendeiner Gabe und wartet nur auf die Offenbarung unseres Herrn Jesus Christus. Der wird euch auch fest machen bis ans Ende, dass ihr untadelig seid am Tag unseres Herrn Jesus Christus.« (1. Korinther 1,6–8, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).

Auf der einen Seite steht die Lebendigkeit, die Vielfalt der Gaben, die ein situationsangemessenes Handeln im Hier und Jetzt ermöglicht und die dem Apostel mit Blick auf die Gemeinde in Korinth manchmal schon etwas zu ausgeprägt war. Und auf der anderen Seite ist da die Festigkeit, das Festhalten an Jesus Christus, ohne das eine Gemeinde und ein Christenleben keinen Bestand hat. Und in alledem die Versicherung, dass wir uns weder die unterschiedlichen Gaben noch die Festigkeit geben oder erhalten können. Sondern beides entsteht durch die Predigt von Christus.

Christoph Barnbrock


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