Das letzte Buch, das ich gelesen habe – und gerne gelesen habe – war »Theo in Golden«. Dieses Buch ist im Wesentlichen ein »Feel-good-Buch«, das zeigt, wie die Welt auch sein könnte und wie kleine Gesten einen Unterschied machen können. Es ist herzerwärmend, an manchen Stellen überraschend, lädt zum Schmunzeln und Nachdenken ein. Und – im Zusammenhang von »Team Gott« nicht ganz unwichtig – es ist an manchen Stellen durchsichtig auf Gottes Handeln.

Der Protagonist heißt wohl nicht zufällig »Theo«, was vom griechischen Wort für Gott (»Theos«) nur einen Buchstaben entfernt ist. So begegnet in diesem Buch immer wieder auch die Frage nach dem Himmel und danach, wie man daran eigentlich glauben kann. Bibelverse werden zitiert. Gottesdienste werden gefeiert. Und auch an manch anderer Stelle sind religiöse Anspielungen unübersehbar.

Der Hauptstrang der Handlung sei kurz skizziert. Theo, ein alter Mann, kommt in die fiktive Südstaatenstadt Golden. In einem Café findet er eine kleine Kunstausstellung vor. Ein lokaler Künstler hat Gäste des Cafés portraitiert. Diese sind nun hier nun zu bestaunen – und theoretisch auch käuflich zu erwerben. Allerdings macht kaum einer von dieser Gelegenheit Gebrauch. So sind die Portraits ein ziemlicher Ladenhüter.

Theo ist von der Ausdruckskraft der Portraits allerdings so eingenommen, dass er sich vornimmt, die Portraits nacheinander zu erwerben und sie den Portraitierten als Geschenk zu überreichen. Dafür verabredet er sich mit ihnen am Brunnen in der Stadtmitte, kommt mit ihnen über ihr Leben ins Gespräch, erzählt davon, was er in den Portraits entdeckt. Diese Gespräche über die Portraits und das Leben bringen immer wieder einiges in Bewegung und führen dazu, dass sich die Portraitierten noch einmal ganz neu wahrnehmen.

Es gibt Stellen im Buch, in denen die biblischen und religiösen Bezüge viel deutlicher zu erkennen sind. Und doch bin ich davon überzeugt, dass es auch an dieser Stelle nicht einfach um Kunstliebhaberei geht, sondern um einen Vorgang, der sich auch in der Bibel wiederfindet.

Ich denke etwa an den Zöllner Zachäus. Von dem hatten sich viele ein Bild gemacht: ein Schurke, ein Unsympath, jemand, um den man eigentlich einen Bogen macht, gewiss kein Frommer. Und gut möglich, dass Zachäus dieses Bild von sich selbst auch schon verinnerlicht hatte. Jesus aber hält ihm ein anderes Bild entgegen. Als ihn alle kritisieren, dass er sich bei Zachäus eingeladen hat, antwortet er:

»Heute ist diesem Hause Heil widerfahren, denn auch er ist ein Sohn Abrahams.« (Lukas 19,9, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).

Da hält Jesus Zachäus ein Portrait vor, das sich von dem unterscheidet, was alle anderen von Zachäus gezeichnet haben. Es ist das Portrait von Zachäus als einem, dem Gottes Verheißungen gelten (»Sohn Abrahams«), von einem, der geliebt ist, der nicht abgeschrieben ist und in dessen Leben durch die Begegnung mit Jesus Heil Raum gewinnt.

Welche Selbstbilder trage ich mit mir rum? Wie sehe ich mich? Was mag ich an mir selbst gar nicht wahrnehmen? – Ganz sicher brauche ich es mir immer wieder, dass Jesus Christus auch mir das Bild vorhält, dass ich ein Kind der Verheißung bin, einer, dem Gottes Liebe und Gottes Gnade gelten – und dessen Portrait, das Gott von mir zeichnet, ganz anders aussieht als mein Blick in den Spiegel. Denn es ist gemalt mit den Pinselstrichen der Gnade, der Liebe und der Vergebung.

Christoph Barnbrock


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