In meiner persönlichen Bibellese war gerade das 1. Kapitel der Apostelgeschichte dran. Die Situation, die dort beschrieben wird, ist folgende: Jesus war gestorben und ist auferstanden, die Jünger sind maximal verwirrt und erstaunt und auch froh, aber vor allem noch ziemlich verwirrt.
Es ist klar, dass eine Veränderung ins Haus steht: Wie soll man jetzt weitermachen ohne dass Jesus physisch anwesend ist? Wie geht das jetzt mit der Mission und der Bewegung weiter? Fragen über Fragen werden die Jünger beschäftigt haben.
Aber was machen sie zuerst? Gremienarbeit! Herrlich! Wie wir in Kirche und Gemeinde 😉! Sie gucken in ihre Geschäftsordnung und stellen fest, dass ja ein Platz in ihrem Gremium vakant ist, der 12. Jünger ist ihnen dramatisch und tragisch abhandengekommen. Also muss nachbesetzt werden. Sie konsultieren die Verfahrensordnung und machen eine short list: Matthias und Justus. Sie beten und hoffen auf eine gute Entscheidung. Am Ende werfen sie das Los, das scheint ein faires, unparteiisches Verfahren und es wird – Matthias!
So, jetzt kann es weitergehen, das nächste Großereignis kommt, das wissen die Jünger zu diesem Zeitpunkt noch nicht: Es kommt Pfingsten und damit wird für die Mission vieles klarer.
Ich musste schmunzeln, als ich das Kapitel las. Auch wir sind manchmal so ordentlich in unseren Verfahren verhaftet und arbeiten alles formal ab. Hoffentlich übersehen wir nicht das ganze Große, hoffentlich heben wir rechtzeitig den Kopf, wenn Pfingsten kommt! Geschäftsordnungen und formale Verfahren haben ja zwei Seiten: sie helfen uns, zu Ordnungen zu kommen und Strukturen zu schaffen und manchmal, die Kehrseite, zwängen sie uns auch ein. Und es ist nicht immer einfach, zu erkennen, wann die Strukturen uns und der Sache dienen und wann wir den Strukturen.
Und diese Unterscheidung zu treffen, ist immer wieder unsere Aufgabe. Dazu helfe uns der Heilige Geist, den wir bitten können, der uns auch leitet und dem wir vertrauen können. Auch das ist die Zusage aus der Apostelgeschichte:
»Aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde.« (Apostelgeschichte 1,8, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).
Silja Joneleit-Oesch
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