Von und mit Gebeten leben

Einer der bekanntesten Songs von der Rockband Bon Jovi ist »Livin‘ on a Prayer«:

Die Hauptpersonen des Songs sind Tommy und Gina, die jeweils in schlecht bezahlten Berufen schuften, ohne dass sie wirklich über die Runden kommen. Das Lied zeichnet sich dadurch aus, dass die Härte der Situation nicht beschönigt wird – Gina etwa weint nachts und träumt davon, einfach weglaufen zu können. Und andererseits atmet das Lied auch eine Hoffnung, dass sich die Dinge ändern werden. Tommy versucht Gina zu trösten: »Baby, it’s okay, someday« (»Liebes, es ist okay, irgendwann«). Und bis dahin halten sie zumindest aneinander fest, stützen sich und reden sich gegenseitig gut zu.

Inbegriff der Hoffnung in allem Schweren ist die Zeile, die dem Song seinen Namen gibt »Livin‘ on a Prayer« (»Von einem Gebet leben«). Soweit ich das erkennen kann, ist der Begriff »Gebet« hier eher eine Metapher für Hoffnung, dafür, dass Gebete erhört werden und alles irgendwie doch noch einmal gut oder zumindest besser wird.

Am Ende ließe sich natürlich kritisch zurückfragen: Kann man wirklich von Gebeten leben, wenn das Geld für die Miete, für Brot und Butter fehlt. Und natürlich ist die naheliegende – und auf einer bestimmten Ebene auch sachgerechte – Antwort: Nein, natürlich nicht.

Doch dann denke ich an die Hilferufe, die uns in den Psalmen überliefert sind, an die Gospels und Spirituals als gesungene Gebete, die von den Versklavten auf den Baumwollplantagen gesungen wurden, und ich frage mich: Ist es vielleicht doch so, dass Gebete zum Leben und zum Überleben helfen: weil sie mich in die Lage versetzen, meine Not einem anderen zu klagen, weil sie von dem Vertrauen getragen sind, dass Gott hört und uns nicht im Stich lässt, weil aus den Gebeten der Mut erwächst, sich selbst auch, soweit es möglich ist, für Veränderung der Situation einzusetzen.

Ja, ich bin fest überzeugt, dass Gebete auf diese Weise ein wichtiges »Lebensmittel« sind, weil sie uns mit dem lebendigen Gott verbinden und Jesus Christus uns versprochen hat, dass der Vater im Himmel unsre Hilferufe hören und uns geben wird, was wir brauchen.

»HERR, höre und sei mir gnädig! HERR, sei mein Helfer!« (Psalm 30,11, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).

Christoph Barnbrock


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