Zu meiner Arbeit gehört es, mich immer wieder auch mit Texten aus anderen Jahrhunderten zu beschäftigen. Und dabei ist immer wieder auch zu entdecken, wie sich die Sprache im Laufe der Zeit geändert hat. Ein schönes Beispiel dafür ist ein Brief, den Martin Luther an Philipp Melanchthon verfasst hat. Darin lobt er ihn dafür, dass ihm das von Melanchthon »Augsburger Bekenntnis« »fast wohl« gefalle. Wo wir meinen, Luther habe hier nur ein eingeschränktes Lob ausgesprochen, war im damaligen Kontext ein uneingeschränktes Kompliment gemeint. Denn »fast« bedeutete damals »sehr«.

Manchmal können also die Änderungen in der Verwendung der Begrifflichkeit auf falsche Fährten führen und einen auch ganz schön irritieren. Aber manchmal eröffnen sie auch wunderbare neue Perspektiven.

So formuliert Martin Luther in einer Predigt, in der es um »Die Bereitung zum Sterben« geht folgendermaßen: »Zum Dritten, wann so jedermann Urlaub auf Erden geben, soll man sich dann allein zu Gott richten, da der Weg des Sterbens sich auch hinkehret und uns führet.« (zitiert nach: Martin Luther, Von der Bereitung zum Sterben. Eine Predigt Martin Luthers (1519), erläutert von Hartmut Günther, Groß Oesingen 1999, 25). In heutigem Deutsch würden wir das vielleicht so formulieren: »Drittens: Jeder, der auf Erden Abschied nimmt, soll sich allein auf Gott ausrichten, zu dem der Weg des Sterbens sich auch hinwendet und zu dem er uns führt.«

Im Original springt der Begriff »Urlaub« einem entgegen. Tatsächlich hat dieses Wort von seiner Geschichte her mit unserem heutigen Wort »Erlaubnis« zu tun. Urlaub, ist also die Zeit, in der ich die Erlaubnis habe, der Arbeit, dem Studium oder der Schule fernzubleiben. Und so konnte »Urlaub« wie bei Luther auch Inbegriff für »Abschied« werden.

Aber was für ein schöner Gedanke ist es, die Reise von dieser in jene Welt mit einem »Urlaub« zu vergleichen! Denn auch das kennen wir ja von Urlaubsreisen. Bei der Arbeit muss noch manches geordnet werden, damit in der Zeit der Abwesenheit alles seinen guten Gang gehen kann, manchmal wird’s deswegen auch stressig und immer wieder lässt sich das auch erleben, dass Menschen wegen des Vorurlaubsstresses eigentlich gar keine Lust mehr haben, in den Urlaub zu fahren.

Wenn dann allerdings der Urlaub begonnen hat, dann ist im besten Fall alle Arbeitslast, alles, was die Tage und Wochen vorher noch so mühsam war, schnell vergessen. Und im Urlaub tauchen wir ein neue Welten und genießen diese besondere Zeit. Was für ein schöner Vergleich für die Zeit, wenn wir »Abschied« oder – mit Luther gesprochen – »Urlaub« nehmen von dieser Welt und Jesus Christus uns als »Reiseleiter« in ein neues »Urlaubs«leben führt!

»Denn wenn wir glauben, dass Jesus gestorben und auferstanden ist, so wird Gott auch die, die da entschlafen sind, durch Jesus mit ihm führen.« (1. Thessalonicher 4,14, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).

Christoph Barnbrock


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