In diesen Tagen haben wir mit der Hochschulgemeinschaft einen Ausflug u.a. zum Kloster Maulbronn unternommen. Wir waren als Gruppe dort mit einer Führung unterwegs und hatten das Glück einen, wie ich fand, sehr unterhaltsamen Tourguide zu erwischen, der inhaltliche Einblicke in das frühere Klosterleben auf unterhaltsame Art vermitteln konnte.
Ein Aspekt des klösterlichen Miteinanders, der mich wieder einmal bewegt hat, war die Bedeutung des Schweigens. Den Mönchen war es nicht gestattet – außer zu besonderen definierten Gelegenheiten und an besonderen Orten – , miteinander zu reden. Schweigen wurde offensichtlich als großer Wert erkannt.
Nun ist es in unserer Dauer-Quassel-Welt gewiss so, dass tendenziell eher zu viel als zu wenig geredet wird – vor allem ziemlich viel, was nicht unbedingt zum Guten dient. Angesichts dessen und der Tatsache, dass so »krasse« Frömmigkeitspraktiken in ihrer Entschiedenheit mir auch immer einiges an Respekt abverlangen, stellt sich bei mir zunächst eine Art »heilige Bewunderung« ein. Wow, wie ernst die es genommen haben! Bewundernswert, das so durchzuhalten!
Bei nochmaligem Nachdenken verliert all das aber auch rasch an Plausibilität. Wenn das Schweigen dazu dienen sollte, möglichst wenig Unnützes zu reden, dann ist das ja erst einmal ein nobles Motiv, allerdings werde ich dann wahrscheinlich umso mehr mit meinen Gedanken zu tun haben, in denen sich dann das »Unnütze« abspielt. Und ja, natürlich sage ich im Rückblick auf verschiedene Situationen in meinem Leben: manches Wort hätte ich mir lieber verkneifen sollen. Aber ist es wirklich ein Gewinn, wenn wir schweigend aneinander vorbeilaufen, nicht nachfragen, wie es den anderen geht, nicht mehr zum Ausdruck bringen, dass wir uns mit der anderen Person mitfreuen oder ihre Lasten mittragen?
Ich glaube, dass es nicht darauf ankommt, ob wir reden oder schweigen, sondern wie wir reden und schweigen, wenn wir reden und schweigen. Es ist sicherlich gut, Zeiten des Redens und des Schweigens zu unterscheiden – auch ein Gespür dafür zu entwickeln, wann das Reden mal Pause machen soll. Und es ist gewiss auch wertvoll, darüber nachzudenken, wie ich Zeiten des Schweigens fülle und wie ich mit und über andere(n) rede, wenn ich rede. Ist all das geprägt von dem, wie Gott es mit uns Menschen meint? Spiegele ich in meinem Reden und Schweigen etwas von seiner Menschenfreundlichkeit wider oder kommt in alldem eher etwas zum Ausdruck, was dem widerspricht?
Das scheint mir viel mehr die entscheidende Frage zu sein – und weniger die, zu wie viel Schweigen am Tag ich mich zwingen kann oder gar muss.
»[…] zerreißen hat seine Zeit, zunähen hat seine Zeit; schweigen hat seine Zeit, reden hat seine Zeit; […]« (Prediger 3,7, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).
Christoph Barnbrock
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