Zum letzten Weihnachtsfest habe ich meiner Frau die Patenschaft für zwei Weinstöcke im Rheingau geschenkt. Vor einigen Tagen haben wir sie erstmals besucht. An den Weinstöcken selbst sind tatsächlich Namensschilder der Patin angebracht. Und nach dem Besuch durften wir eine Kiste mit Wein mit nach Hause nehmen.

Selbstverständlich handelt es sich bei der ganzen Geschichte um eine ziemlich pfiffige Marketing-Idee des Winzerpaars. Denn faktisch handelt es sich dabei um den Verkauf einer Kiste Wein mit einem ordentlichen Aufschlag dafür, dass man das Gefühl hat, hier tatsächlich »eigenen« Wein zu trinken. Das ist die nüchterne, vielleicht auch etwas griesgrämige Perspektive.

Eine andere sieht so aus: Hier versucht eine junge Winzerfamilie das wieder herzustellen, was früher der Normalfall war – ein (Vertrauens-)Verhältnis zwischen den Produzenten von Lebensmitteln und den Kunden. Und die Kundinnen und Kunden unterstützen sie dabei, den immer neuen Herausforderungen des Weinanbaus angesichts von Klimaveränderungen zu trotzen – und das weniger mit chemischen, sondern vor allem mit natürlichen Mitteln. Eine Patenschaft zu übernehmen, heißt dann: Wir helfen mit bei einem Projekt, das wir für sinnvoll halten und das sympathisch ist. Letztlich tragen wir dazu bei, dass etwas wachsen kann, was ohne diese Unterstützung in derselben Weise nicht möglich wäre.

Wenn ich dieses Bild und diesen Gedanken einmal auf die christliche »Patenschaft« übertrage, dann ist das auch ein wunderbares Bild: Patinnen und Paten haben die Aufgabe, ihren Patenkindern zu helfen, dass Glauben an Jesus Christus wachsen kann. Dabei wird man den »Ertrag« nicht immer auf Flaschen gezogen mit nach Hause nehmen können. Aber darum geht es in diesem Fall natürlich auch nicht. Was kann eine solche Patenschaft ausmachen? – Vielleicht wie beim Weinbauern der Kontakt, dieses Mal nicht zwischen Winzer und Kunden, sondern zwischen Paten und Patenkindern. Das Miteinanderreden über den, der Glauben schenkt. Vielleicht auch der Austausch über Dürrezeiten, über Schädlinge und darüber, wie trotzdem Glauben wachsen und gedeihen kann.

Gut zu wissen ist dabei, dass wir weder als Eltern und Paten noch als Patenkinder die Winzer sind, die für die Pflanzen im Letzten verantwortlich sind. Sondern Jesus sagt: »mein Vater [ist] der Weingärtner« (Johannes 15,1, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft). Und mit dessen Pflege gilt eben auch dies:

»Der Gerechte wird grünen wie ein Palmbaum, er wird wachsen wie eine Zeder auf dem Libanon.« (Psalm 92,13).

Christoph Barnbrock


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