Wir leben in einer Zeit, in der »Größe« und »Großartigkeit« im Mittelpunkt stehen. Immer wieder geht es darum, dass Rekorde gebrochen werden, dass jemand als noch besser und noch großartiger dasteht.

Zu beobachten ist dies in unterschiedlichen Sportarten, bei denen die Rede vom G.O.A.T. (»Greatest Of All Times«) fast schon inflationär gebraucht wird. Politiker treten an, um ihre Länder wieder »großartig« (»great«) zu machen. Und mit dem Streben nach Größe und Bedeutung geht automatisch einher, dass das Kleine, das Schwache als verächtlich erscheint.

Wer etwas sein will in dieser Zeit und Welt, muss sich präsentieren können mit seiner Größe und Großartigkeit. Es ist, wie es die Rockgruppe Queen in einem ihrer weit verbreitetsten Songs (»We Are The Champions«) getextet hat: »No times for losers / For we are the champions« (»Kein Platz für Verlierer / Denn wir sind die Sieger«).

Angesichts dessen stellt sich die biblische Botschaft als ziemlich herausfordernd dar. Hier stehen nicht diejenigen im Vordergrund, die sich als groß und herausragend erwiesen haben, sondern diejenigen, die klein und vernachlässigt sind.

Dieses Motiv zieht sich durch von der Erwählung des Gottesvolks des Alten Bundes bis zur Verkündigung Jesu. So wird Israel erinnert: »Nicht hat euch der HERR angenommen und euch erwählt, weil ihr größer wäret als alle Völker – denn du bist das kleinste unter allen Völkern –, sondern weil er euch geliebt hat und damit er seinen Eid hielte, den er euren Vätern geschworen hat.« (5. Mose 7,7f., Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft). Und Jesus erinnert seine Jünger: »Die Könige herrschen über ihre Völker, und ihre Machthaber lassen sich Wohltäter nennen. Ihr aber nicht so! Sondern der Größte unter euch soll sein wie der Jüngste und der Vornehmste wie ein Diener.« (Lukas 22,25f.)

Im christlichen Glauben ist so kein Platz für Streben nach Größe, nach »Besser-sein-als«, oder für ein verächtliches Herabschauen auf die, die es offenbar nicht so weit gebracht haben. In Gottes Augen sind wir alle klein – und dürfen, ja sollen es sogar sein. So lernen wir auf ihn zu schauen: auf seine Fürsorge und Allmacht, auf seine Größe und unermessliche Liebe, die viel verlässlicher sind als unsere Stärke und Großartigkeit, die ja immer nur Momentaufnahmen sind, fragil und nichts, worauf ich mich im Leben und Sterben verlassen könnte.

Christoph Barnbrock


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