Seit 15 Jahren spiele ich wieder in einer Rockband! Das macht riesigen Spaß, wir wollen nicht mehr berühmt werden und treten so gut wie nie auf. Aber einmal die Woche proben wir, wenn’s geht. Wir sind zu sechst. Zwei Frauen und vier Männer aus ganz unterschiedlichen Kontexten und in einer Altersspanne von 50 bis 70. Da bin ich der Einzige, der hauptamtlich oder auch nur regelmäßig was mit christlichem Glauben oder Kirche zu tun hat. Und gerade, weil ich sonst immer mit Kirche und Glaube beschäftigt bin und beruflich eigentlich von Christenmenschen umgeben, tut mir die Gesellschaft unserer Band »Blues & Gasoline« ziemlich gut. Zum einen, weil ich auf völlig andere Gedanken komme, wenn mich Dinge (vor allem Probleme) in Kirche und Hochschule besonders umtreiben. Zum andern aber auch, weil mich meine nichtkirchlichen Freundinnen und Freunde auch in Sachen Glauben immer wieder herausfordern.
So fragte mich eines Abends unser Schlagzeuger nach der Probe: »Sag mal, du bist doch Theologe?! Kannst du mir nicht mal das mit dieser Dreieinigkeit erklären?« Es war ein langer Abend, wir hatten ungefähr drei Stunden laut Musik gemacht und dabei nicht ganz eine Kiste Bier verbraucht. Das Einzige, was mir in dem Moment als Erklärung der Dreieinigkeit einfiel, war »Uff!« Denn ich wusste mit »Ein Wesen in drei Personen« oder »geboren, nicht geschaffen« oder der Frage, ob nun der Heilige Geist wirklich »vom Vater und vom Sohn« ausgeht, brauchte ich meinem Freund Peter nicht zu kommen. In dem Moment habe ich mich gedrückt und Peter »auf ein andermal« vertröstet.
Aber die Frage hat mich seither nicht mehr losgelassen und ich bin ein richtiger Fan davon geworden, dass wir Christinnen und Christen zwar an einen, aber an einen dreieinigen Gott glauben. Da ist Gott, der Vater und Schöpfer, dem ich alles verdanke, nämlich mein Dasein und die Gemeinschaft mit anderen in dieser Welt. Da ist Jesus, der Sohn, dem ich alles verdanken, nämlich meine Erlösung, und »unerlöst« wüsste ich gar nicht, dass dieses Welt Gottes Schöpfung ist. Schließlich ist da der Heilige Geist, dem ich alles verdanke, nämlich meinen Glauben, ohne den ich weder Gott noch Jesus Christus wirklich kennen könnte. »Dreieinigkeit« heißt, dass Gott immer noch größer ist als unser Denken und unsere Bilder von ihm, ja sogar größer als unsere Theologie. Das finde ich tröstlich! Wenn ich Gott in ein System packen wollte, hätte ich ihn vielleicht klein gekriegt – aber er ist größer! Mindestens dreieinig!
»Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!« (2. Korinther 13,13 Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft)
Achim Behrens
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