Zu den wenigen Pflanzen in unserem Garten, die einen essbaren Ertrag abwerfen, gehören die Esskastanienbäume. Immer im September werfen sie ihre Früchte ab, und wir haben etwa einen Monat wunderbare geröstete Snacks als Chipsersatz zur Verfügung. Lecker sind sie – und meist hält die »Ernte« ziemlich genau so lange, bis wir den Eindruck haben: So, jetzt langsam reicht es auch mal. Und dann ist die Maronenzeit auch vorbei.
Zweierlei bewegt mich bei diesen Esskastanien. Das eine: Ich habe die Bäume nicht gepflanzt, ich gieße sie auch nicht oder pflege sie sonst in irgendeiner Weise. (Lediglich die Blütenfäden muss ich wegharken – und dann im Herbst Blätter und leere Schalen, aber selbst das müsste ich nicht, wenn es mich optisch nicht stören würde.) Und trotzdem bekomme ich Jahr für Jahr diese Früchte geschenkt: Das ist irgendwie auch eine Form der Gnade.
Das andere ist mir dieses Jahr besonders ins Blickfeld geraten: Denn der trockene Sommer hat den Kastanienbäumen offenbar nicht sonderlich gutgetan. Jedenfalls sind die ersten Früchte, die herunterfallen, klein, unreif, nicht genießbar – anders als in den letzten Jahren. Und ich lerne in einer Welt der Verfügbarkeit aufs Neue, dass mein Ein- und Auskommen, das, was ich habe, und das, was ich genieße, ebenso wie meine Gesundheit, meine Arbeit und meine Familie nichts ist, worauf ich einen festen Anspruch hätte. Es ist nichts, was ganz selbstverständlich da ist, sondern es ist Geschenk. Und es könnte auch ganz anders sein.
Ganz sicher werden auch noch Kastanienfrüchte von den Bäumen fallen, die genießbar sind. Ich nehme mir vor, sie in diesem Jahr in besonderer Weise als Gottesgeschenk in Empfang zu nehmen und zu genießen – es ist ja nicht selbstverständlich, dass sie da sind.
»Denn der HERR, dein Gott, wird dich segnen in deiner ganzen Ernte und in allen Werken deiner Hände; darum sollst du fröhlich sein.« (5. Mose 16,15, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).
Christoph Barnbrock
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