Neulich traf ich eher zufällig einen Freund, der seinem Sohn beim Umzug half und gerade dabei war, das kleine Apartment übergabefertig zu machen. Wir schmunzelten ein wenig, dass wir jetzt wieder – wie früher – an dem Punkt angekommen sind, wo wir Studentenbuden putzen. Irgendwie wiederholt sich eben doch auch manches im Leben.
Mit meinen eigenen Umzügen und Reinigungsbemühungen verbinde ich unterschiedliche Erfahrungen. Ich denke an den Fleck vom umgefallenen Weinglas, der sich trotz aller Bemühungen nicht mehr entfernen ließ. Ein Makel, der blieb. Voller Dankbarkeit erinnere ich mich an die Menschen, die mit mir/uns mit angepackt haben, um bei Umzügen Zimmer und Wohnungen wieder in Schuss zu bringen. Dann kommt mir in den Sinn, wie eine Wand, die eigentlich noch ganz gut aussah, sich längst nicht mehr so makellos präsentierte, nachdem die Bilder abgehängt waren. Und ich fühle noch etwas von der Nervosität, die sich einstellte, wenn man mit dem Vermieter durch die Wohnung ging und abwarten musste, ob auch er mit diesem Zustand so einverstanden war.
Mir scheint, all das ist ein ganz treffender Vergleich für unser Leben. Irgendwann werde ich es wieder in die Hände dessen legen, der es mir anvertraut hat: Gott. Wenn ich dann in Gedanken noch einmal durch die Räume meines Lebens gehen werde, dann werde ich mich hoffentlich erinnern an die schönen Momente, die ich in der »Wohnung« meines Lebens verbracht habe, an die Feste, ans Feiern, an die fröhlichen, unbeschwerten Stunden mit lieben Menschen. Aber ich werde eben auch die »Flecken« auf dem Boden entdecken, die nicht mehr rausgehen – Schuld, die ich nicht einfach wiedergutmachen kann. An den Wänden, die doch eigentlich so ganz manierlich aussehen, werde ich vielleicht auch noch manche Verfärbung entdecken, die mir so vorher gar nicht im Blick war. Und dankbar werde ich hoffentlich für Menschen sein können, die mich auf den letzten Metern dieses Lebens begleiten.
Und werde ich nervös sein müssen, was der »Vermieter« wohl zu meinem Leben sagt? – Nein, dazu gibt es keinen Grund. Bei Auszügen gibt es manchmal die glückliche Fügung, dass der Vermieter sagt: »Machen Sie sich keine Umstände mit der Endreinigung. Nach Ihrem Auszug wird die Wohnung ohnehin einmal ganz neu gemacht. Lassen Sie sie einfach so, wie sie ist. Wir kümmern uns dann drum.«
Vergleichbar wird es am Ende meines Lebens sein. Ich darf die bisherige Wohnung verwohnt und renovierungsbedürftig zurücklassen, sie dankbar der Pflege des »Vermieters«, unseres Gottes, anvertrauen, dessen Sohn sich um all die Flecken und allen Schmutz kümmert. Und mehr noch: Dieser »Vermieter« wird dafür sorgen, dass ich auch nach meinem Auszug aus dieser Wohnung nicht obdachlos werde, sondern eine neue Bleibe finde: ein ewiges Zuhause bei Gott.
»Denn wir wissen: Wenn unser irdisches Haus, diese Hütte, abgebrochen wird, so haben wir einen Bau, von Gott erbaut, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist im Himmel.« (2. Korinther 5,1, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).
Christoph Barnbrock
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