»Wünsch dir was«

Es ist ganz offensichtlich, dass wir Menschen ohne große Hoffnungen, was die Zukunft angeht, nicht auskommen. Viele Religionen haben eine solche Erwartung einer Zeit, in der vieles besser wird, aber auch im säkularen Kontext begegnet uns oft etwas Ähnliches, etwa bei der Punk-Band »Die Toten Hosen«, die in diesen Tagen gerade auf Abschiedstournee ist.

So beginnt gleich die erste Strophe ihres Liedes »Wünsch dir was« fast wie ein religiöses Glaubensbekenntnis: »Ich glaube, dass die Welt sich noch mal ändern wird / Und dann Gut über Böse siegt / Dass irgendjemand uns auf unseren Wegen lenkt / Und unser Schicksal in die Hände nimmt / Ja, ich glaube an die Ewigkeit / Und dass jeder jedem mal vergibt / Alle werden wieder voreinander gleich / Jeder kriegt, was er verdient.«

Auch in der zweiten Strophe setzt sich diese durchaus religiös anmutende Hoffnungserwartung fort, bis sie am Ende – punktypisch – dann (anscheinend) zerschossen wird: »Es wird die Wiederauferstehung vom heiligen Geist / Und die vom Weihnachtsmann«. Und damit zeigt sich die eigentliche Botschaft des Liedes: Wer an eine solche Zukunft glaubt, der ist so naiv, dass er auch noch an den Weihnachtsmann glaubt. Das Ganze dann noch garniert mit einem kleinen Verwechslungsspiel von Auferstehung Jesu und dem Wirken des Heiligen Geistes. Ja, »Wünsch dir was«, aber glaub bloß nicht dran, dass du es bekommst – so scheint die Message des Liedes zu sein.

Ich frage mich aber, ob die (überwiegend) biblischen Bilder, die das Lied nutzt, nicht am Ende doch stärker sind als der latent kritische Unterton, den das Lied ganz gewiss setzt. Wenn bei Konzerten Zehntausende diese Zeilen mitgrölen, die eine gute, bessere Welt beschreiben, wenn sie davon singen, dass »Gut über Böse siegt«, »dass irgendjemand uns auf unseren Wegen lenkt«, schwingt dann nicht doch bei vielen der Wunsch mit, dass es genau so sein möge?

Mir scheint, gerade in dieser Kritik vermeintlich naiver Jenseitshoffnungen brechen sich diese in diesem Lied besonders klar und wirkkräftig Bahn. Vielleicht ist es hier ein wenig so wie mit dem Propheten Bileam, der eigentlich angetreten war, das Volk Israel zu verfluchen, aber es am Ende dann doch segnet. Manchmal kommt Gott gerade im Gegenteil zum Ziel und lässt die Botschaft von seiner guten, neuen Welt gerade auch durch die verkünden, die sie eigentlich kritisieren wollen.

»[Der moabitische König] Balak sprach zu ihm [=Bileam]: Komm doch, ich will dich an einen andern Ort führen; vielleicht gefällt es Gott, dass du sie mir dort verfluchst.« Und nachdem Bileam geredet hat, heißt es: »Da entbrannte Balaks Zorn gegen Bileam, und er schlug die Hände zusammen und sprach zu ihm: Ich habe dich gerufen, dass du meine Feinde verfluchen solltest, und siehe, du hast sie nun dreimal gesegnet.« (4. Mose 23,27 und 24,10, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).

Christoph Barnbrock


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