Es gibt unterschiedliche Arten und Weisen, auf den Schluss eines Ereignisses, eines Zeitabschnitts oder einer Wegstrecke zu schauen. Eine Möglichkeit ist, hier ein Ende zu sehen. Etwas ist jetzt vorbei. Wir haben ein rauschendes Fest gefeiert – aber nun ist es zu Ende. Schade! Jemand stirbt, das Leben ist vorbei. Wie traurig, hier nun jemanden nicht mehr bei sich zu haben! Das Ende markiert, so gesehen, Abschied und Verlust, bestenfalls einen sehnsüchtigen Rückblick auf das, was war.

Von diesem Blick auf den Abschluss eines Abschnitts unterscheidet sich die Zielperspektive. Wer eine Wanderung unternimmt, freut sich im Normalfall darauf, das Ziel zu erreichen. Hier ist der Abschluss nicht der Moment des Abschiednehmens, sondern der Höhepunkt – das, worauf der Weg zugelaufen ist. Also, der Gipfel, den ich erklommen habe und von dem aus ich nun die Aussicht genießen kann – oder die Berghütte, wo ich endlich die Füße hochlegen kann, ich es mir bei einem kühlen Getränk gutgehen lasse.

Mit Blick auf das Leben können wir auch zwischen diesen zwei Perspektiven wählen, wenn wir auf den Abschluss unseres Lebens schauen. Ist das Leben dann einfach zu Ende – und wir blicken wehmütig zurück auf das, was war? Schade, die »Party« ist vorbei. Oder glauben wir, dass wir als Christinnen und Christen mit dem Lebensende ein Ziel erreichen? – Und die Frage zu stellen, heißt natürlich, sie mit »Ja« zu beantworten. Ja, unser Leben endet nicht einfach, wie man bei einem Fernseher den Stecker zieht. Sondern auf das Ende des Lebens zuzugehen, heißt, auf die Zielgerade einzubiegen. Bald habe ich es geschafft. Nicht mehr lange, und ich bin angekommen. Ein grandioser Ausblick wird warten. Erholung, Erfrischung, Trost, Gelegenheit, zu neuen Kräften zu kommen. Gott – von Angesicht zu Angesicht zu sehen.

Nein, unser Leben endet als Christenmenschen nicht einfach, sondern es erreicht mit dem Tod – nein: um Christi willen durch den Tod hindurch – sein Ziel.

»Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was da vorne ist, und jage nach dem vorgesteckten Ziel, dem Siegespreis der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus.« (Philipper 3,13f., Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).

Christoph Barnbrock


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